Gay Sex in the 70s

 USA 2005
Dokumentation 71 min.
6.90
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"From Repression to Celebration in a very short period" - so pointiert charakterisiert einer der Protagonisten die gesellschaftspolitische Wende nach dem legendären Stonewall-Aufstand 1969, die in das Jahrzehnt der hedonistischen Liebe mit viel wildem Sex mündete und mit dem Bekanntwerden von AIDS 1981 ein (zunächst) jähes Ende fand. Das New York der 1970er Jahre ist der Schauplatz von Joseph Lovetts Gay Sex in the 70s, den er anhand von Interviews - u. a. mit dem Schriftsteller Bob Alvarez oder dem Aktivisten Larry Kramer - und sehr reichhaltigem Archivmaterial Revue passieren lässt. Lovett präsentiert eine Zeit, in der große Teile New Yorks quasi als Cruising-Areal funktionierten, der Weg ins Büro oder die Mittagspause für Sex genutzt wurde und zahlreiche schwule Männer sich nachts an den Piers, in den Büschen des Central Park oder in der legendären St. Marks Sauna - in der Bette Midler in ihrer Performance die Menge mit Poppers beträufelte - vergnügten.

Es sind aber nicht nur die immer wiederkehrenden, in der Erinnerung schwelgenden Geschichten, die hier auch erzählt werden, sondern die Zwischentöne, die Gay Sex in the 70s auszeichnen. Sex diente, so sind sich die Protagonisten einig, nicht nur zur Triebbefriedigung, sondern darüber hinaus als eine Form der Kommunikation, die - neben zahlreich geknüpften Freundschaften - maßgeblich für das Herausbilden einer gay community mitverantwortlich zeichnete, die politisch Hand in Hand mit der Anti-Kriegs-, der Frauen- und Schwarzen-Bewegung ging. Diese Form der Organisation war letztlich auch maßgeblich für die Act-Up-Bewegung und die einhergehende Solidarisierung im Zuge von AIDS entscheidend, die im dritten Teil gestreift werden. Die großteils durch liebevolle Nostalgie geprägte Perspektive, die Lovett und mit ihm seine Protagonisten auf die Vergangenheit werfen, sind in unmittelbarer Beziehung zu dem New York der Gegenwart zu sehen, das zunächst mit AIDS, dann mit hohen Immobilien- und Mietpreisen, die eine sukzessive Abwanderung nach sich zogen, und letztlich mit den Folgen von 9/11 zu kämpfen hat. (Dietmar Schwärzler)

Details

Bob Alvarez, Alvin Baltrop, Barton Benes, Tom Bianchi, Scott Bromley, Mel Cheren, Arnie Kantrowitz, Larry Kramer, u.a.
Joseph Lovett

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