Gewalt und Leidenschaft

 Italien / Frankreich 1974

Gruppo di famiglia in un interno

Drama 122 min.
7.60
Gewalt und Leidenschaft

Das makellos inszenierte Dokument einer Verzweiflung. Resümee und Testament eines aristokratischen Freigeists, Marxisten, Ästheten.

Rom 1974. Ein Palazzo voller Gemälde und Gewesenem. Der Hausherr ein gealterter Professor, würdevoll, feinsinnig und doch nur die Mumie seiner selbst, im ererbten Palast abgeschirmt wie in einem Mausoleum hausend. In seine Welt brechen neue Mieter herein, um eine Generation jüngere Jet-Set-Neureiche, um zwei Generationen jüngere Luxus-Linke, das verkörperte Hier und Jetzt. Eine Begegnung, von Viscontis Doppelgänger zuerst widerwillig, dann willfährig vollzogen, als Erwachen, als übernommene Verantwortung. Eine Familie im Interieur entsteht. Aber sie ist nur Ersatz, Parodie - und sie wird zerbrechen. Was bleibt, ist die Unüberbrückbarkeit der Generationen, die Gewissheit von der Verkommenheit der Linken, die ihre Ideale verraten hat, die Ahnung eines rechten Putsches. Keine Hoffnung. Keine Zukunft. (Harry Tomicek)

Details

Burt Lancaster, Helmut Berger, Silvana Mangano, Claudia Cardinale, Dominique Sanda
Luchino Visconti
Franco Mannino, W.A. Mozart
Pasquale De Santis
Luchino Visconti, Suso Cecchi D'Amico, Enrico Medioli

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Interne Familienangelegenheit
    Da hat Visconti ganz schön viel hineingepackt und das geht auf Kosten der Spannung. Ein Familienclan unter Mutter Bianca Brumonti (Silvana Mangano) arbeitet sich an einander ab und mietet sich bei einem alleinlebenden Professor (Burt Lancaster) ein. Hierbei sorgt vor allem ihr Lover Konrad (Helmut Berger, damals noch bildschön) für Irritationen, wohingegen Tochter Lietta (Claudia Marsani) den alten Herrn anhimmelt. Der Professor lässt ansatzweise durchblicken, dass ihm Konrad nicht ganz gleichgültig ist. Gespräche über Kunst bringen sie einander näher.
    Ein buntes Kaleidoskop menschlicher Kontakte wird entfaltet: Einsamkeit und das Gegenteil davon, homo- und heteroerotische Beziehungen werden angedeutet, das Alter und die Jugend, Bildung und Vorlieben. Dabei ist der Titel die Abstraktion der Ereignisse. Eine wechselseitige Beziehung von beiden Phänomenen kristallisiert sich um Konrad herum (gewaltige Leidenschaft (Selbstmord) oder leidenschaftliche Gewalt). Aber die Wirkung leidet unter den endlos langen Dialogen. Dazwischen gibt es zwei überraschende Cameos von Claudia Cardinale als Frau des Professors und Dominique Sanda als seine Mutter. Sogar ein Hauch von Faschismus weht durch die Familienidylle. Niveauvolle Dialoge halten das Interesse der Zuschauer wach. Etwa wenn der Professor die Situation so beschreibt: ‘Raben fliegen in Schwärmen, der Adler fliegt allein.‘ Das interessiert die Kids nicht. Tochter Lietta meint ‘Im Grab gibt es keinen Sex.‘ Obwohl der Professor die Brumontis ‘oberflächlich, dumm und hohl‘ findet, haben sie ihn aber auch ‘aus dem Schlaf geweckt‘. Das ist widersprüchlich und macht den tränenreichen Schluss am Bett des Professors (Sterbebett?) etwas kryptisch.
    Schwer verdauliche Kost, wenn auch auf hohem Niveau.