Ich bin Kuba

 Kuba/UdSSR 1964

Soy Cuba

Drama, Independent 140 min.
7.90
film.at poster

Dieses sowjetisch-kubanische Artefakt ist schlicht eine optische Berauschung und eine Geschichte des Scheiterns.

In Cannes 2003 wurde erstmals eine restaurierte Kopie des Films präsentiert. Ausgangsmaterial war dasselbe Internegativ (mit neu hinzugefügtem Originalsoundtrack), von welchem auch die deutsch untertitelte Kopie gezogen wurde. Nur wenige Filme verschmelzen in Intensität und Ausgelassenheit mit ihrer Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte sosehr wie Soy Cuba. Dieses sowjetisch-kubanische Artefakt ist schlicht eine optische Berauschung und eine Geschichte des Scheiterns. 1962 bis 1964 von einem prominenten russisch-kubanischen Team wie im Delirium geschrieben, gedreht und montiert, stieß der Film bei seinem Kinostart Mitte der 60er Jahre auf Ablehnung beim kubanischen Publikum und auch in Russland machte sich Befremdung über so viel pathetische Vehemenz breit. War das Kitsch? Gar Ironie? Mit seinen aufnahmetechnischen Avantgardismen und seiner innovativen Filmsprache hätte Soy Cuba eine kubanische Antwort auf Eisensteins Potemkin oder Godards Au bout de souffle sein können. Doch seine eigentliche Erfolgsgeschichte begann erst zu Beginn der 90er Jahre, als der oftmalige Gast des Festivals des Neuen Lateinamerikanischen Films in Havanna, Francis Ford Coppola, und der leidenschaftliche Sammler von filmhistorischen Schätzen, Martin Scorsese, Soy Cuba für das internationale Kino neu entdeckten. Mikhail Kalatozov nahm in Soy Cuba Eisensteins hypnotische und verstörende Annäherung an das Tropische von Qué viva México! mit überhöhter Intensität wieder auf. Die Zusammenarbeit zwischen Russen und Kubanern, künstlerischen Rebellen und politischen Ideologen, Wodka und Rum scheint auf eigendynamische Weise maßgeblicher für die vier erzählten Episoden, für ihre filmische Umsetzung und die hemmungslose Gefühlsdominanz des Films gewesen zu sein, als jegliche Absicht, politische Parabeln über Unterdrückung und Klassenkampf als reduzierte ideologisch (Ab-)Rechnung darzustellen. Soy Cuba provoziert Staunen und sinnliche Lust, erzählt von Rache und Niederlagen, von Sehnsüchten und sexueller Anziehung: «The first, and perhaps the only, work of Communist decadence.» (David Denby). Am meisten beeindruckt aber die lyrische Kraft der entfesselte Kamera, denn, wie Jamie Russel bemerkt: «The films politics arent as half as radical as its artistry.» (Verena Teissl)

Details

Luz Maria Collazo, José Gallardo, Raul Garcia, Sergio Corrieri
Mikahail Kalaztozov
Carlos Fariñas
Sergei Urusevsky
Enrique Pineda Barnet, Yevgeni Yevtushenko

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