Ich gehe jetzt rein

 D 2008
Dokumentation 73 min.
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Ich gehe jetzt rein ist der dritte Teil einer Langzeitstudie von Aysun Bademsoy. Die in Berlin lebende Regisseurin türkischer Herkunft begleitet bereits vor dreizehn Jahren zum ersten Mal in Mädchen am Ball fünf junge Frauen in ihrer Rolle als zweifache Außenseiterinnen: Was Safiye, Arzu, Türkan, Nalan und Nazan verband, war nicht nur, dass sie, obwohl in Deutschland geboren, als Türkinnen betrachtet wurden und sich auch als solche fühlten, sondern auch ihre Leidenschaft für Fußball. Beim Berliner Verein Agrispor hatten sie so etwa wie eine zweite Heimat gefunden und waren voller Ehrgeiz in eine Männerdomäne eingebrochen. Zwei Jahre später besuchte Bademsoy die jungen Frauen erneut in Nach dem Spiel, und die Konflikte, denen die Fußballerinnen nun ausgesetzt waren, schienen bereits unüberwindlich: Ihre eingeschränkte Rolle innerhalb von Familie und Gesellschaft war vorgeschrieben, und die Zwillinge Nalan und Nazan, die bereits in Mädchen am Ball 1995 angekündigt hatten, dass sie mit dem Fußballspielen aufhören würden, hatten tatsächlich den Sport aufgegeben. In Ich gehe jetzt rein ist nunmehr vom Optimismus nichts mehr übrig, die Frauen scheinen sich den gesellschaftlichen und kulturellen Regeln gefügt zu haben und blicken wehmütig auf die Vergangenheit zurück: Heute liegen zerbrochene Ehen, Anpassung an die Verhältnisse oder langjährige Gefängnisstrafen hinter ihnen. Doch so pessimistisch der dritte Teil dieser Langzeitbeobachtung auch wirken mag, geht es Bademsoy, die immer wieder Archivmaterial aus den ersten beiden Teilen dazwischenmontiert, nie um Schuldzuweisungen, sondern um offene Fragen: Welche Strukturen haben in den vergangenen zehn Jahren auf die Frauen eingewirkt? Woran hat es gelegen, dass Ausbildungen abgebrochen und Zukunftschancen aufgegeben wurden? Und dass man sich wirklich als das fühlt, was man glaubt sein zu müssen?

(Text: Viennale 2008)

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Aysun Bademsoy
Nikola Wywich
Aysun Bademsoy

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