Der Schrei

 I 1957

Il grido

Drama 104 min.
7.80
Der Schrei

Schwach (nicht nur angesichts der Monumentalität von Natur und Architektur) ist der Mensch bei Antonioni prinzipiell, am schwächsten sind die Männer. Eine Odyssee durchs Unglück. Ihr Antiheld: ein Fabrikarbeiter, der von der Frau, die er liebt, zurückgewiesen wird, die kleine Tochter nimmt und sich mit ihr auf eine Wanderung durch desolate Landschaften begibt.

Dieser Gang ist so vergeblich wie notwendig: Erst durch ihn realisiert der Unglückliche, dass ihm kein anderer Ausweg bleibt, als heimzukehren, weil er nicht fähig ist, sich (und seine Vision des Glücks) zu ändern. Das Finale weist die vorherige Bewegung als verzweifelten, horizontalen Aufschub eines unaufhaltsamen Sturzes aus.

Ausgerechnet Steve Cochran, sein bulliger Körper von unaussprechlichen Seelenqualen gebeugt, gibt dabei den Prototyp des existentiellen drifters, während Antonioni unbeeindruckt sein Treiben als virtuoses Zusammenfallen von äußerer Leere und innerer Entfremdung inszeniert. (C.H.)

Details

Steve Cochran, Alida Valli, Betsy Blair, Dorian Gray, Lyn Shaw, u.a.
Michelangelo Antonioni
Giovanni Fusco
Gianni Di Venanzo
Elio Bartolini, Ennio De Concini

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Weltschmerz
    Altmeister Antonioni hat mit dem ‘Schrei‘ 1957 einen eindrucksvollen Klassiker geschaffen. Es ist eine Parabel auf das Leben als ziellose Reise. Der Weg ist das Ziel. Fortuna ist nicht dabei. Und wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu. Hier steht sich der ‘Anti-Held‘ selbst im Wege. Durch einen an sich unbedeutenden Impuls wird eine ganze Handlungskette in Gang gesetzt. Es sind Stationen von Verlassen-Werden, Neuorientierung und einem immer wieder erneuten Scheitern. Der Fabrikarbeiter Aldo (Steve Cochran) wird aus der Bahn geworfen, als seine jahrelange Geliebte Irma (Alida Valli) das Verhältnis beendet. Zusammen mit seiner kleinen Tochter Rosina begibt er sich auf eine Odyssee auf der Suche nach Geborgenheit und einem Heim. Heiratswillige Frauen gibt es genug z.B. Elvira (Betsy Blair) oder Virginia (Dorian Gray) u.v.a. Doch er findet nicht, was er sucht. Seine letzte verzweifelte Aktion wird vom titelgebenden ‘Schrei‘ von Irma begleitet. Der Plot ist stilistisch brillant in s/w erzählt und in eine nebelverhangene, äußerst triste Landschaft passend eingebettet. Hier sind Armut, Schmutz und Hoffnungslosigkeit beheimatet. Antonioni versucht die Gefühlsregungen der Akteure sichtbar zu machen. So geschieht viel, ohne viele Worte. Aldo ist unruhig, sucht nach einem Sinn in seinem verkorksten Leben, grübelt, ist unbeherrscht und aufbrausend, kann in seiner Hilflosigkeit aber die Zwangläufigkeit der Abwärtsspirale nicht aufhalten.