Im Toten Winkel. Hitlers Sekretärin

 Österreich 2002
Dokumentation 15.03.2002 
film.at poster

Traudl Junge, von 1942 bis zum Ende des Dritten Reichs Privatsekretärin Adolf Hitlers, erinnert sich

Traudl Junge war von Herbst 1942 bis zum Zusammenbruch des "Dritten Reichs" die Privatsekretärin Adolf Hitlers. Sie arbeitete mit ihm in der Wolfsschanze, auf dem Obersalzberg, im Sonderzug und zuletzt im Führerbunker. Sie war es auch, der Hitler sein Testament diktierte. - Die 81-jährige Junge sprach erstmals vor einer Kamera über ihr Leben und ihre Erinnerungen.
Im toten Winkel.Hitlers Sekretärin wurde unter riesigem Medienecho bei den Berliner Filmfestspielen 2002 im Februar uraufgeführt und mit dem Panorama Publikumspreis ausgezeichnet. Traudl Junge erlag wenige Stunden nach der Filmvorführung in Berlin in einem Münchner Krankenhaus ihrem Krebsleiden.

jugendfrei

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André Heller, Othmar Schmiderer
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Kritiken

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User Kritiken

  • Junge, Junge!
    Eine einzige Katastrophe. Man sieht nichts anderes als Traudl Junge: wie sie redet, erzählt, und wie sie sich beim Reden und Erzählen beobachtet. Sonst nichts. Nur das Gesicht von Traudl Junge in Großaufnahme. Dabei rückt ihr Gesicht immer wieder aus dem Blickfeld der Kamera und minutenlang findet es der Kameramann nicht für nötig, die Kamera nachzujustieren.
    Dass Traudl Junge erzählt ist ok. Eine sympathische ältere Dame eben, die beim Zuseher Verständnis zu erreichen versucht, für ihre jugendliche Naivität, für ihre Uninformiertheit, für ihre völlige Ahnungslosigkeit damals, als sie Hitlers Sekretärin war. Aber der Film - und das Kino - ist das falsche Medium für diese Rechtfertigung. Ein Radiogespräch, eine Diskussion, ein Buch hätte völlig gereicht. Wäre sogar besser gewesen. Noch dazu, wo Junge nichts, aber auch gar nichts erzählt, was auch nur in homöopathischen Spuren neu wäre. Alles davon kennt man und hat man schon spannender aufbereitet gesehen. Wieso sollte auch Junge als eine von 4 Sekretärinnen in Geheimnisse eingeweiht gewesen sein? Darüber wundert sie sich nämlich: über die angenehme Stimme Hitlers, über seine Liebe zu seinem Hund und über seine guten Manieren. Für wen soll das verwunderlich sein? Für eine Sekretärin vielleicht.
    Man geht auch nicht aus dem Kino mit dem Bewusstsein, einen "guten" Film gesehen zu haben im Sinn von einem "richtigen" Film. Gerade in einer Zeit, wo Israelis im Verdacht stehen, hunderte Palästinenser massenweise ermordet zu haben und mit Panzern über sie hinweggefahren zu sein, um Spuren des Massakers zu vernichten.

    Re: Junge, Junge!
    So einfach ist es nicht. Es macht mir Angst, dass diesen Kommentar jemand geschrieben hat, der den Film gesehen hat!!
    Geschichte wird erst im Nachhinein, mit einem gewissen Zeitabstand, "groß" oder "logisch" oder "grausam" oder "interessant". Geschichte wird erst später, in den Büchern und in den Action-Filmen und den Dokumentationen auf einmal so "spannend".
    Ich glaube, der Film will zeigen, dass wir alle Geschichte machen, jeden Tag. Mehr oder weniger. Durch Nichtstun oder durch Handeln, durch Nachdenken oder sich treiben lassen.
    Und oft sehen wir die Zusammenhänge gar nicht oder eben nur teilweise, während wir so vor uns hinleben.
    Es bedarf einer sehr disziplinierten Wachsamkeit, auf das eigene Gewissen zu hören, es bedarf auch einer gewissen Reife. Wer hat die schon, mal ehrlich? Wer von uns wäre damals zur "Weissen Rose" gegangen, wer hätte den Mut und den Weitblick gehabt? Mal ehrlich. Gerade deshalb finde ich es so wichtig, sich das GENAU SO anzusehen, ja ansehen ZU MÜSSEN.
    Geschichte besteht aus lauter kleinen Schritten, aus faden, aufwühlenden, harmlos scheinenden Erlebnissen, die wir verarbeiten und auf die wir alle reagieren.
    Wenn wir das nicht begreifen, dann haben wir Traudl Junge zugehört - uns fadisiert - und nichts verstanden. Sie hat es verstanden. Und ich bewundere ihren Mut - denn ich werde, wie sie, erst am Ende meines Lebens wissen, wo ich mehr hätte tun sollen. Wo ich mehr hätte sehen sollen. Wo ich es mir zu leicht gemacht habe.
    Geschichte ist keine "spannende Doku" am Spätabend, keine "Gute-Nacht-Lektüre" im Bett. Geschichte ist jetzt, jede Minute, jede Entscheidung.