Haus der Sünde

 F 2011

L' Apollonide (Souvenirs de la maison close)

Drama 25.05.2012 122 min.
6.80
Haus der Sünde

Geschehnisse in einem pariser Edelbordell um 1900, das kurz vor seiner Schließung steht: Auf einem melancholischen Maskenball nehmen die Prostituierten und ihre Stammkunden Abschied voneinander.

Paris, um die Jahrhundertwende 1900. Im Apollonide, einem luxuriösen Edelbordell, suchen Männer aus besseren Kreisen nach Zerstreuung und leben dort ihre Fantasien aus. Zwölf junge Frauen sollen ihnen nachts ihre Wünsche erfüllen. Die Mädchen sind schön, verführerisch und den Männern dienstbar. Tagsüber schlafen sie aus, leben bescheiden in ihren Wohnkammern und bereiten sich wieder auf die nächste Nacht vor. Unter dem strengen Regime von Madame haben es die Mädchen noch relativ gut. Aber die meisten sind bei ihr hoch verschuldet, und die Chancen auf ein normales bürgerliches Leben sind gering. Bei aller Lebensfreude und Solidarität untereinander sind die Frauen an das "Haus der Sünde" gebunden. Ständig droht die Gefahr, sich mit der Syphilis anzustecken, und jeden Tag sind die Mädchen den Fantasien ihrer Freier ausgeliefert. So ist ein gemeinsamer Ausflug aufs Land ebenso selten wie befreiend. Die Mädchen träumen davon, aussteigen zu können oder hoffen, dass einer der Kunden sie freikauft. Als die erst 15-jährige Pauline neu in das Haus kommt, brechen Spannungen auf.
Auch die Politik mischt sich immer mehr ein: Mit Beginn des neuen Jahrhunderts sollen alle Freudenhäuser in Paris geschlossen werden. Auf einem von einer melancholischen Stimmung getragenen Maskenball nehmen die Prostituierten und ihre Stammkunden Abschied voneinander. Dabei gilt es auch noch, eine offene Rechnung mit einem der Freier zu begleichen...

Details

Hafsia Herzi, Jasmine Trinca, Adele Haenel, Céline Sallette u.a.
Bertrand Bonello
Josée Deshaies
Bertrand Bonello
Thimfilm

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Edelbordell Doku
    Es ist eine Dokumentation eines Edelbordells um 1900. Inhaltlich ist es der Tagesablauf in diesem Etablissement. Es gibt ein Einstellungsgespräch mit Pauline (Iliana Zabeth), eine Anleitung zur Hygiene von Samira (Hafsia Herzi), eine Untersuchung durch den Amtsarzt sowie ausführliche Fachsimpeleien der Nutten untereinander.
    Manch abartige Praxis (s-m) kommt vor oder ein Freier besteht auf dem Blickwinkel von Courbets ‘Ursprung der Welt‘. Puffmutter Marie-France (Noémie Lvovsky) führt das Haus wie ein Familienunternehmen mit Ausflügen ins Grüne. So entsteht eine Anti-Welt: hier drinnen und dort draußen, wo die Freiheit wohnt. Dann ein Schocker: ein blutüberströmtes Gesicht, die Mundwinkel von Madeleine (Alice Bernole) sind aufgeschlitzt. Wiederholungen und Details dazu werden immer wieder nachgereicht, bilden quasi einen ‘Roten Faden‘. Auch der Split-Screen schafft zusätzliche Distanz. Gegen Ende sieht man die Mädels als tanzende Nymphen auf einer Totenfeier, nachdem eine von ihnen (Jasmine Trinca) an der Syphilis gestorben ist. Gruppenstreicheln wird ausgiebig praktiziert. Wir hören ‘Nights in White Satin‘ von Procol Harum. Pauline verlässt das Haus Apollonide wieder. Sie schafft als einzige den Absprung. Jetzt dreht Bonello nochmal auf. Eine optische Nachbereitung eines Traums von Madeleine: aus ihren Augen fließen ‘weiße Tränen wie Sperma‘. Die Rote Laterne erlischt. Straßenstrich heute, dazu singt Janis Joplin. Das ist der soziale Abstieg des ältesten Gewerbes der Welt!? Ein gesellschaftliches Sittenbild, in dem der Song der Ärzte an Wahrheitsgehalt dazugewinnt und sogar ein gewisses Maß an Verständnis entstanden ist.

  • Leere Hülle
    Es ist eine Dokumentation eines Edelbordells um 1900. Inhaltlich ist es der Tagesablauf in diesem Etablissement. Es gibt ein Einstellungsgespräch mit Pauline (Iliana Zabeth), eine Anleitung zur Hygiene, eine Untersuchung durch den Amtsarzt, ausführliche Gespräche der Nutten untereinander, manch abartige Praxis (s-m), gemeinsames Essen und einen Ausflug ins Grüne. Und ständig laufen halbnackte Mädels durchs Bild. Es entsteht eine Anti-Welt: hier drinnen und dort draußen. Aber Voyeure kommen nicht auf ihre Kosten, denn der Schnitt lässt keine anteilige Lust aufkommen. Stattdessen ein Schocker: ein blutüberströmtes Gesicht, die Mundwinkel aufgeschlitzt. Damit versucht uns Regisseur Bonello bei der Stange zu halten. Wiederholungen und Details dazu sollen wohl wachrütteln, bilden quasi einen ‘Roten Faden‘. Auch der Split-Screen kann die vierfache Lust am Zuschauen nicht erhöhen. Es gibt Andenken (‘Souvenirs‘), die kann man vergessen. Gegen Ende sieht man die Mädels als tanzende Nymphen auf einer Totenfeier, nachdem eine an der Syphilis gestorben ist. Gruppenstreicheln wird ausgiebig praktiziert. Pauline verlässt das Haus. Gerne würden wir ihr folgen. Dann der zweite Schocker: Musik von Procol Harum ‘Nights in White Satin‘. Das passt zum Anlass wie der Emir zum Eisberg. Jetzt dreht Bonello erst richtig auf mit ganz harten Schnitten: Tränen aus Sperma, die Rote Laterne erlischt, Straßenstrich heute, dazu singt Janis Joplin. Das ist der soziale Abstieg!? Whow! Ein gesellschaftliches Sittenbild, das wir schon kannten. Schön wie der sterbende Schwan. K.V.