L' Opéra mouffe

 Frankreich 1958
Kurzfilm 17 min.
film.at poster

Opéra-Mouffe ist das Notizbüchlein einer schwangeren Frau, im Kontext einer Dokumentation über das Quartier der Rue Mouffetard in Paris, die den Beinamen «La Mouffe» hat.

Es ist ein Film über den Widerspruch, hoffnungsvoll ein Kind zu erwarten in einer Welt der Armen, der Alten, der Clochards, derer ohne Hoffnung. Es ist ein Film voller Zärtlichkeit für eine (kaputte) Menschheit, aus Baby-Alten, neugeborenen Alten, denen die Mütter den Bauch küssten und den Hintern puderten. Ich habe den Film 1958 gedreht, als ich schwanger war. Ich ging fast jeden Tag mit einem Klappstuhl und einer 16mm-Kamera auf die Mouffe. Ich stieg auf den Stuhl und filmte die Leute. Mein Stuhl und mein Bauch sind sehr schnell eines der pittoresken Elemente des Marktes geworden, d.h. keiner hat mir irgendwie mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Ich habe versucht, die konfusen, die geistigen Bilder, die Klischees und die leichten Fantasmen der Schwangerschaft auszudrücken. Ich hatte keine Angst, aber es gibt die Angst. Die Angst und die Unruhe. Die Konfusionen zwischen dem vom Kind dicken Bauch und dem von der Nahrung dicken Bauch, der «bouffe» (l'opera-bouffe). Zwischen dem Verlangen und dem Überdruss, der Appetitlosigkeit. Zwischen der trägen Leichtigkeit, eine Ballon-Frau zu sein, und der Schwere, eine Gasflaschen-Frau zu sein. Der Film wurde im April 1958 fertiggestellt und auf dem Festival der Weltausstellung in Brüssel gezeigt. Er bekam den Prix International der Ciné-Clubs. Bei meiner Rückkehr nach Paris habe ich ein Mädchen mit Namen Rosalie zur Welt gebracht. Agnès Varda, «Cahiers du Cinéma» Nr. 165/1965 Ich drehte L'Opéra-Mouffe nach Ô saisons, ô châteaux. Ich war so unglücklich darüber, einen Auftragsfilm gemacht zu haben, dass ich zum Trost einen ganz persönlichen 16mm-Film drehte. In den ersten Tagen half Sacha Vierny mir aus, danach schlug ich mich alleine durch. L'Opéra-Mouffe ist ein ganz und gar unprätentiöser Film. Er wurde oft gezeigt und viel diskutiert. Schwangere oder Frauen, die Kinder auf die Welt gebracht hatten, meinten: «Es ist erstaunlich, alle Gefühle, die im Film beschrieben, angedeutet oder geschildert werden, die hatten wir im Grunde auch» oder «Wir wagten nur nicht, sie uns einzugestehen.» Man traute sich nicht, zu sagen: «Es gibt eine gewisse Panik, es gibt eine gewisse Leichtigkeit oder eine gewisse Grausamkeit, es gibt gewisse Gedanken und Bilder.» Im Film kommt ein sehr heftiges Bild vor: Man sieht den riesigen Bauch einer Frau und gleich darauf einen riesigen Kürbis am Markt; dann schneidet eine Händlerin den Kürbis mit dem Messer auf und holt die Kerne heraus. Dieses Bild hat etwas Schockierendes und irgendwie Abstoßendes an sich, doch wenn Sie Frauen fragen, werden sie Ihnen alle sagen: «Im Grunde hat man unbewusst, ohne auch nur den Gedanken aufkommen zu lassen, Angst davor, entleibt zu werden.» Und es so vor Augen geführt zu bekommen, ist befreiend. Ich glaube, dass das Kino befreiend wirkt, weil es einem erlaubt, die eigenen Gefühle auszuleben. «Varda par Agnès» Cahiers du Cinéma & Ciné-Tamaris, 1994 Übersetzung von Petra Metelko

(Text: Viennale 2006)

Details

Dorothée Blank, Antoine Bourseiller, André Rousselet, Jean Tasso
Agnès Varda
Georges Delerue
Agnès Varda, Sacha Vierny
Agnès Varda

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