Die Perle (2009)

 Chile 2009

La Nana

Drama 06.05.2011 97 min.
7.30
Die Perle (2009)

Der junge chilenische Regisseur Sebastian Silva wirft einen unvoreingenommen Blick auf die in Lateinamerika weit verbreitete aristokratische Tradition von Leibeigenschaft.

Seit 23 Jahren arbeitet die Haushälterin Raquel im Dienst der Familie Valdes. Ausgestattet mit gewissen Privilegien, fühlt sie sich eigentlich ganz wohl im Glauben, zur Familie zu gehören. So sind ihre einzigen Kontakte zur Außenwelt kurze Telefonate mit ihrer Mutter. Doch ihre zunehmenden Auseinandersetzungen mit Camila, der ältesten Tochter des Arbeitgebers, vermitteln der Familie den Eindruck, dass sie überarbeitet sei. So werden weitere Dienstboten eingestellt, was dazu führt, dass sich Raquel aufgrund ihres Alters verdrängt fühlt und beginnt, die neuen Angestellten zu sabotieren, während sie sich andererseits zunehmend an ihre vermeintlich einzige Familie festklammert. Nur dem neuen, unkomplizierten Dienstmädchen Lucy gelingt es auf charmante Art und Weise, zu Raquel eine Beziehung aufzubauen. In seinem bemerkenswerten zweiten Spielfilm erörtert der junge chilenische Regisseur Sebastian Silva ebenso scharfsinnig wie unvoreingenommen die in Lateinamerika weit verbreitete aristokratische Tradition von Leibeigenschaft. La nana widmet sich diesem komplexen Verhältnis und weiht seine Zuschauer in die Beziehung einer wohlmeinenden Familie und deren Dienstmagd ein - wie liebenswert auch immer das Wort gebraucht wird. Silva führt seine Handkamera wie ein Vergrößerungsglas und enthüllt damit Raquels Zerbrechlichkeit und Abhängigkeit - und die sozialen und persönlichen Konflikte, mit denen Raquel in ihrer verbissenen und doch liebenswürdigen Art zu kämpfen hat.

(Text: Viennale 2009)

Details

Catalina Saavedra, Claudia Celedón, Alejandro Goic, Andrea García-Huidobro
Sebastian Silva
Sergio Armstrong
Sebastian Silva, Pedro Peirano
Polyfilm

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Das ältere Hausmädchen
    Ein typischer Festival-Film. Hier erhielt er auch seine Auszeichnungen. Für den ‘normalen‘ Zuschauer ist der Film nicht besonders interessant. Es passiert fast nichts, kein Höhepunkt, keine Katastrophe, keine Drama. Mit fast dokumentarischer Distanz wird das Arbeitsleben eines Dienstmädchens Raquel (Catalina Saavedra) dargestellt. Ausdrucksstark agiert sie in einem wohlhabenden chilenischen Haushalt und macht sich unersetzbar. Trotz ihres Alters (41) duldet sie keine zweite Angestellte neben sich.
    Es ist ein leiser, ernster Film. Die Emotionen der Darsteller bleiben unter Verschluss und auch die Zuschauer werden nur marginal erreicht. Die Möglichkeiten, Situationen zu vertiefen und zu dramatisieren sind durchaus vorhanden, Regisseur Sebastian Silva nutzt sie aber bewusst nicht. Selbst die angedeutete Bettszene mit Onkel Eric zeigt nur wie hilflos unbedarft Raquel ist. Für sie gibt es keine Liebe oder Zuneigung. Sie ist ein emotionales ‘Contergankind‘ und mit ihrer Gesundheit steht es auch nicht zum Besten. Über ihre Familie will die alte Jungfer nicht sprechen, menschliche Nähe lässt sie nicht zu. Wir erleben die eintönige Endlosigkeit ihres Alltagslebens. So geht sie am Ende Joggen und läuft und läuft und läuft…
    Die übrigen Familienmitglieder (Raquel zählt sich dazu): ein Ehepaar und vier Kinder bleiben auch recht farblos, fast ein wenig klischeehaft. Raquel behauptet sich ihnen gegenüber, weil man sie braucht. Das unterstreicht der deutsche Untertitel.
    Kann man, muss man aber nicht gesehen haben. Aber das Prädikat ist besonders wertvoll.