Lunch with Fela

 USA 2005
Independent 59 min.
film.at poster

Abraham Ravett, Experimentalfilmemacher, 1947 in Polen geboren, aufgewachsen in Israel und im Alter von acht Jahren in die USA emigriert, hat über viele Jahre einen Dialog mit seiner Mutter Fela, einer Auschwitz-Überlebenden, geführt und regelmäßig Sequenzen daraus in seine Radiosendungen integriert. Lunch with Fela ist nun die konsequente Fortführung dieses Dialoges bis zu ihrem Tod. «To cut off», wird der Regisseur einmal sagen, «would have meant cutting off her life». So zeigt Ravett die letzten Besuche im Altersheim, Gesprächsversuche eher als Gespräche, und muss wie der Zuseher eine starrsinnige Frau zur Kenntnis nehmen, deren Regeln auch in Momenten der Schwäche noch gelten. Lunch with Fela ist jedoch kein Porträt einer KZ-Überlebenden, keine biografische Rekonstruktion eines Schicksals und auch keine Spurensuche nach der Vergangenheit der Mutter. Lunch with Fela ist vielmehr eine Anthologie der letzten Tage ein Gedichtband voll stiller Momente, versuchter Annäherungen im Kleinen. Bilder aus früheren 16mm-Filmen tauchen als Erinnerungsblitze auf, während persönliche Gegenstände und Sätze schriftlich eingeblendet auf eine zweite Wahrnehmungebene ins Gedächtnis gehoben werden. Schwarz- und Blaublenden schieben sich zwischen diese Bilder, intervenieren, wenn Bedeutung in einem Erzählfluss zu versanden droht. Immer wieder nehmen die kleinen Erzählungen von privaten Gegenständen ihren Ausgang. Eine Brieftasche, eine Armbanduhr, Knöpfe, von Händen so sorgfältig in den Bildausschnitt gelegt wie Steine zur Erinnerung auf ein jüdisches Grab. Einmal, und während sich das Auge auf das nächste Bild einstellt gleich nocheinmal, werden sie eingeblendet. Mit großer Sorgfalt und spröder Poesie arbeitet Ravett auf jene Gedächtnisleistung hin, mit der das gemeinsame Projekt zwischen Sohn und Mutter langsam ausblendet: fragmentarisch, ungleich gewichtet und mit vielen Leerstellen. Aus dem Off gestellte Fragen nach nicht näher spezifizierten Gegenständen und Personen wie etwa «Whose handwriting is that? Who are those two ladies? Where were those pictures taken?» müssen unbeantwortet bleiben. (Gunnar Landsgesell) (Text: Viennale 2005)

Details

Abraham Ravett
Abraham Ravett
Abraham Ravett

Kritiken

Kinoprogramm

Es sind uns keine Vorstellungen bekannt.

Film bewerten

0

User Kritiken