Mafrouza - Oh la nuit! (Mafrouza - Oh Night!)

 F 2007
Dokumentation 141 min.
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Ein Mikrokosmos in Ägypten: Der Stadtteil Mafrouza liegt in der ehemaligen Totenstadt von Alexandria, die den vermutlich größten Friedhof der Antike beherbergte. Ein Historiker würde hier gerne Löcher in die Mauern schlagen, um die Grabstätten zu erforschen, doch der heutige Bewohner möchte seine möblierte Höhle nicht zur archäologischen Stätte machen. Eher baut er eine kurze Treppe, um den Weg vom Wohnzimmer nach draußen zu erleichtern. Derweil zerrt der Regen an den Nerven der Nachbarin, da er regelmäßig ihre Wohnung überschwemmt. Die Not erfordert ständigen Einfallsreichtum, aber die Nacht, die ist zum Glücklichsein da. Gleich vor der Tür wird eine Hochzeit mit Musik und Sprechgesängen gebührend gefeiert. Dieses Fest bildet auch den dramaturgischen Rahmen von Mafrouza, eine geplante Langzeitstudie in fünf Teilen der französischen Filmemacherin Emmanuelle Demoris, die sie mit Oh la nuit! beginnt. (...) Dass die Regisseurin kein Arabisch spricht, ist ihr Glück und Unglück zugleich: Sie kann nicht direkt auf Bemerkungen reagieren, lässt sich aber weniger verunsichern und bleibt beharrlich bei den Menschen. Marfouza - Oh la nuit! fängt ambivalente Gefühle ein - zwischen Misstrauen und der freimütigen Lust, die eigene Wahrheit in die Welt hinaus zu tragen - und beginnt zugleich, das Porträt eines ganzen Quartiers offenzulegen. (Jenny Billeter) Zum ersten Mal war ich 1999 in Marfouza, als ich einen Film über die Beziehung zwischen Lebenden und Toten vorbereitete. Ich kam nur, weil dieser Bezirk über einer griechisch-römischen Totenstadt erbaut wurde. Während meiner ersten Gespräche mit den Bewohnern beeindruckte mich ihre vielschichtige Kommunikationsfähigkeit und Gedankenwelt ebenso wie ihre Körpersprache. Ich habe selten Menschen getroffen, die gegen so viel Angst und Traurigkeit kämpfen müssen. Letztlich waren sie es, die mich dazu gebracht haben, dieses Projekt zu realisieren. Ich wollte mehr über sie erfahren, und ich wollte, dass die Welt mehr über sie erfährt. (Emmanuelle Demoris)

(Text: Viennale 2008)

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Emmanuelle Demoris
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