Mala Noche

 USA 1985
Independent, Avantgarde 78 min.
film.at poster

Gus Van Sants erster Spielfilm erzählt ohne romantische Floskeln einen möglichen Verlauf einer langen, üblen Nacht. Johnny und Pepper, zwei junge Mexikaner, haben sich dazu entschlossen, den Winter in Portland, Oregon, zu verbringen. Noch haben sie nicht resigniert, noch fordern sie die Verwirklichung ihres Traumes, noch wollen sie ihren Teil von Amerika. (...) Mala Noche bietet eine weitere Variante im Austauschsystem der Beziehungen: Hier Süden, da Norden, hier Jugend, ein warmer Körper und fremdartige Erotik, da Konsumzwang und materielle Sicherheit, auch wenn sich letzteres nur in einer herunter gekommenen Wohnung, billigem Schnaps und gelegentlichen Ausflügen im alten Auto ausdrückt. Gus Van Sant ist ein bemerkenswerter Film gelungen. Die Beschreibung einer homosexuellen Beziehung ohne jegliches Pseudo-Schwulen-Ambiente und zugleich ein dokumentarartiges Bild des gegenwärtigen Amerika. Seine Ansichten von Portland, Oregon, zeigen wenig von der erhofften Idylle, das Paradies ist kalt und fremdartig. Der Inhalt der Bilder scheint genauso hart wie ihre Form: Slumartige Straßenzüge durchwachsen die Stadt wie Geschwüre, leere Gesichter ohne Hoffnung, apathische Säufer, und all das in einem schonungslosen Schwarzweiß fotografiert, ohne Zwischentöne und ohne die leichte Melancholie, die Schwarzweiß in der Regel erzeugt. Amerika scheint wenig Hoffnung und wenig Zukunft zu bieten. Immer wieder kommt der Hinweis auf das Fortgehen, die Flucht als einzige Rettung. Folgerichtig träumt auch das Mädchen im Film von der Fahrt in den Norden. Sie möchte nach Alaska, um zu leben. Aber dort muss es dann endlich richtig laufen, weil noch weiter nördlich gibt es nichts mehr. (Peter Krobath, Stadtkino-Programm Nr. 151) Filme (Auswahb* Drugstore Cowboy (1989), My Own Private Idaho (1991), To Die For (1995, VIENNALE 98), Psycho (1998, VIENNALE 99), Gerry (2001, VIENNALE 02), Elephant (2003, VIENNALE 03), Last Days (2005, VIENNALE 05), Paranoid Park (2007, VIENNALE 07).

(Text: Viennale 2008)

Details

Tim Streeter (Walt), Doug Cooeyate (Johnny), Ray Monge (Pepper)
Gus Van Sant
Creighton Lindsay
John Campell
Gus Van Sant nach einer Vorlage von Walt Curtis

Kritiken

Kinoprogramm

Es sind uns keine Vorstellungen bekannt.

Film bewerten

0

User Kritiken