Martha (1978)

 DDR 1978
Dokumentation 
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Martha ist ein Film über eine 68 Jahre alte Berlinerin, Arbeiterin, Mutter, Großmutter. Eine, die nach 1945 im zerstörten Berlin begann, als Trümmerfrau zu arbeiten und dabei blieb, und nun im Jahr 1978 beim VEB Tiefbau tätig, Abschied nimmt von ihrer letzten Arbeitsstelle auf der Rummelsburger Kippe und von «ihren Jungs», um ihren Lebensabend als Rentnerin zu genießen. Jürgen Böttcher zeigt diese letzten Arbeitstage. Lange, ruhige Kameraeinstellungen vermitteln die tägliche Arbeit von Martha Bieder, zeigen Berge aus Bauschutt in winterlicher Stadtlandschaft, das endlos scheppernde Förderband, an dem sie den ankommenden Schutt sortiert, frierend und geduldig. Er stellt Fragen zu diesem einfachen und schweren Tätigsein und Martha beantwortet sie. Nach ihrer Abschiedslage in der Baubude erzählt sie lebendig und verschmitzt von ihrem Leben zwischen den Trümmern des zerbombten Berlins, von den Kindern, von ihrer Arbeit als Trümmerfrau. Von ihrem einfachen, tapferen Leben. Was Jürgen Böttcher hier dem Zuschauer schenkt, ist die Art seiner Menschenanschauung. Der Filmwissenschaftler Hannes Schmidt schrieb darüber: «Er kann noch erkennen, wie die Dinge wirklich sind, über die Stufe des bloßen Dokumentierens, Abbildens hinaus, zu ihrem Wesen vordringen. Er ist fähig, das menschlich Bewegende in ihnen zu entdecken.» Und wenn Martha in einigen nächtlichen Aufnahmen eine Gestalt, erschaffen von Barlach, zu sein scheint oder in einigen farbigen Einstellungen mit Figuren aus einem Breughel-Gemälde korrespondiert, so dokumentiert das nicht nur die Einmaligkeit dieser Person sondern auch ihre Kunstwürdigkeit. (Jutta Gust) Diese liebenswerte Zeitgenossin stellt sich der Kamera, wie sie ist, und die fängt sie ein, wie sie ist unreflektiert. Dazwischen beredtes Schweigen. (Ingeborg Zimmerling) Bei der Kritik traf der Film zunächst auf Unverständnis. Alles an ihm war für die DDR-Kunst Ende der 70er Jahre ungewöhnlich: der ungeschminkte Blick auf die Arbeiter, die «führende Klasse»; die verhaltene Art, mit der sich Böttcher der Arbeiterin Martha nähert; so sahen Helden bisher nicht aus, so sprachen Helden nicht. Böttcher verzichtet weitgehend auf Kommentar, es gibt keine Statements und keine großen Worte. Ungeschönt ist die Atmosphäre in der Baubude, Martha im Umgang mit den männlichen Kollegen, rau sind die, fast rücksichtslos, mit einer nur schwer sich erschließenden unterschwelligen Freundlichkeit. Stärker als jeder Kommentar ist die aufmerksame, achtungsvolle Art, in der Böttcher ihrer Erzählung zuhört.

Details

Rolf Römer (Alfred, genannt Ab| Monika Hildebrand (Lisa, genannt Li), Paul Eichbaum (Mogub| Holger Mahlich (Hans), Renate Reinecke (Rita), Ruth Kommerell (Mutter), Walter Stolp (Kaderleiter), Werner Kanitz (Napoleon), Ingo Koster (Heinz), Anita Okon (Sylvi), Ralf Winkler (Freund)
Jürgen Böttcher
Henry Purcell
Wolfgang Dietzel
Jürgen Böttcher
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Kritiken

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