Medicine For Melancholy

 USA 2007
Independent 87 min.
film.at poster

Kurz nachdem sie sich bei einer Party näher gekommen sind, betrachtet die junge Jo' den One-Night-Stand mit Micah bereits als abgehakt, während dieser eine Beziehung eingehen möchte. Nach außen hin scheinen die beiden wenig gemeinsam zu haben, außer dass sie in San Francisco leben und Afroamerikaner sind. Für die selbstsichere Jo' bedeutet ihre Hautfarbe nur eine bestimmte Art, wie die Welt gesehen werden kann, während Micah von dem Thema besessen ist. Als sich Jo' bereit erklärt, einen Sonntag mit ihm zu verbringen, wird aus dem gemeinsamen Nachmittag ein gemeinsamer Abend, an dem der ursprüngliche Funke neu aufflackert. Zwischen den beiden entwickelt sich langsam eine Intimität sowie eine nachdenkliche Atmosphäre, in der sie ihre jeweiligen Überzeugungen und ihr Identitätsgefühl in Frage stellen. In gedämpften Tönen in den Straßen von San Francisco gedreht - vom schicken Marina-Bezirk bis zum rauen Stadtviertel Tenderloin - entwickelt sich das, was als eine bittersüße erotische Romanze zwischen zwei Fremden beginnt, zu einer komplexen Geschichte: Der Besuch des Paars im Museum of the African Diaspora ist zutiefst ironisch, speziell für Micah, der sich über den andauernden afroamerikanischen Exodus aus der Stadt nur allzu bewusst ist. Während sie durch die Stadt ziehen, führen die beiden wiederholt Gespräche über Rasse, Klasse, Assimilation und Gentrifizierung. Dabei ist eine große Stärke von Barry Jenkins' gedankenreichem Spielfilmdebüt, dass diese Themen nie die eigentliche Reise von Jo' und Micah in den Schatten stellen - eine Reise, die sie nach knapp 24 Stunden mit neuen Wahrnehmungen bereichert zurücklässt. (Pam Grady)

(Text: Viennale 2008)

Details

Wyatt Cenac (Micah), Tracey Heggins (Jo')
Barry Jenkins
James Laxton
Barry Jenkins

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  • Rassen- und Klassenprobleme, einmal aus der Sicht der betroffenen selbst - zwei jungen Farbigen in den USA - und eingebettet in eine Geschichte der eigenen und der wechselseitigen Findung der beiden Protagonisten.