Michael (1924)

 D 1924
Drama, Stummfilm 85 min.
7.30
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Claude Zoret, ein gefeierter Künstler auf der Höhe seiner Schaffenskraft, hält sich den jungen schönen Michael als sein bevorzugtes Modell, als Protegé und als - möglicherweise nicht nur platonisch - Geliebten.

Diese scheinbar glückliche Konstellation erweist sich als prekär, als eine intrigante russische Fürstin (Nora Gregor) mit pekuniären Interessen Michael in ihren Bann zieht. Der erkennt zwar nicht, dass er sich nur von der einen in die andere Abhängigkeit begibt, doch wird ihm rasch deutlich, wie viel Macht über seinen Gönner er nun besitzt. Zoret versucht sich gegen den Zusammenbruch seiner Welt künstlerisch zu wehren, und das gelingt ihm auch zunächst, indem er sich als Hiob porträtiert - doch gegenüber Michaels Demütigungen und Schlechtigkeiten ist er völlig wehrlos. Noch auf seinem Totenbett hält er dem die Treue, der ihn verlassen hat. Carl Theodore Dreyers Psychodrama, noch immer ein Geheimtipp unter den Klassikern des Stummfilms, erzählt mehr als die Geschichte einer ästhetisch sublimierten homoerotischen Amour fou. Michael ist die zeitlos stringente Analyse des untrennbaren Zusammenhangs von Begehren und Selbstverblendung, Liebe und Macht. In Dreyers integraler Vision von der artistischen Autonomie des «stummen» Films dienen die Akteure weniger dazu, ihre Rollen zu «spielen», sondern sie werden von der Kamera in Anspruch genommen, damit Dekor, Requisite und Beleuchtung mit ihren Körpern und vor allem Gesichtern spielen können. So werden Bilder von einzigartiger symbolischer Dichte und enormer Vieldeutigkeit komponiert, die - nicht im geringsten antiquiert - auch heute noch zu denken geben.

(Text: Viennale 2008)

Details

Nora Gregor, Walter Slezak, Benjamin Christensen, Grete Mosheim, Alexander Murski, Didier Aslan, Robert Garrison, Max Anzinger, Wilhelmine Sandrock, Karl Freund
Carl Theodor Dreyer
Joseph Vieth (Erstaufführung)
Karl Freund
Thea von Harbou, Carl Theodore Dreyer nach dem gleichnamigen Roman von Hermann Bang

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