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02/04/2022

"And Just Like That": 5 Gründe, warum Che Diaz nervt

Und einfach so ... wurde Che Diaz zur nervigsten Serien-Figur der TV-Geschichte. Zumindest, wenn ihr uns fragt.

von Manuel Simbürger

Man darf ohne Übertreibung und mit kräftigem Kopfnicken behaupten: Che Diaz ist die nervigste Figur der gesamten Serie. Nein, des gesamten "SATC"-Universums. Vielleicht sogar der gesamten TV-Historie!

Auch Sara Ramirez ist sich bewusst, dass die Rolle von Che Diaz, drücken wir es milde aus, polarisiert. All die Hass-Kommentare im Netz verfolge Ramirez aber nicht, ist in einem Interview mit der "New York Times" zu lesen: "„[Ich] muss meine eigene geistige Gesundheit und meine eigene Kunst schützen. Und das ist mir viel wichtiger, weil ich ein echter Mensch bin."

Sara habe keine Kontrolle über die Drehbücher, aber die Rolle mache Sara stolz: "Wir haben einen Charakter geschaffen, der ein menschliches Wesen ist, der unvollkommen, komplex ist, der nicht hier ist, um gemocht zu werden, der nicht hier ist, um die Zustimmung von irgendjemandem zu erhalten." Sara selbst sei aber "nicht Che Diaz", wie im Interview zu lesen ist.

Starke und wahre Worte. Trotzdem geben wir zu, von Che Diaz sehr genervt zu sein, – und wir nennen euch fünf Gründe dafür:

1. Che Diaz ist die personifizierte "Wokeness"

Am ärgerlichsten an der ganzen "SATC"-Fortsetzung ist ja nicht, dass Samantha nicht dabei ist oder dass die drei verbliebenen Freundinnen älter geworden sind. Das könnten wir alles noch verkraften, irgendwie. Viel mehr nervt uns die ständige Wokeness, die uns in jeder einzelnen Szene, in jedem einzelnen Szenenwinkel präsentiert wird. Versteht uns nicht falsch – wir sind froh darüber, dass im "SATC"-Sequel endlich auch Menschen, die nicht fast ausschließlich hetero, Weiß und normschön sind, Abbildung finden. 

Aber: Egal ob queer, körperlich beeinträchtigt, Schwarz oder (oh my!) alt: "And Just Like That" hakt jedes Woke-Kasterl brav ab, ist so sehr politisch korrekt, dass am Ende kaum mehr Leben übrig bleibt.

Genau diese Moralpredigt-Wokeness vereint Che Diaz in einer Person: Non-binär, Non-White, gegen jede Art von Kategorisierung, Definition und gesellschaftliche Regeln. Das ist eigentlich bemerkenswert, wenn es nicht so arg übertrieben wäre.

2. Che Diaz ist das wandelnde LGBTIQ-Klischee

Okay, dieser Punkt hängt mit dem vorherigen eng zusammen: Alle Stereotypen, gegen die die LGBTIQ-Community – und vor allem non-binäre Menschen – ankämpfen, sind in Che Diaz versammelt. Mehr noch: Che umarmt sie freudig und scheinbar ohne jegliche Selbstreflexion. In Wirklichkeit erinnert sie eher an eine Karikatur der queeren Community.

Che ist ständig bekifft, laut, aufdringlich, on the nose und faselt ständig etwas von Non-Konformität, drängt einem die eigene Weltsicht also permanent auf. Gleich in der ersten Episode betitelt sich Che mit an Arroganz grenzendem Selbstbewusstsein als "VertreterIn aller anderen außerhalb dieser beiden langweiligen Geschlechter" – und untermalt dieses Statement gleich mal mit einem nervigen Sound-Button.

Als Community-Member soll man an dieser Stelle laut klatschen. Vielmehr verdreht man aber nur die Augen und fragt sich: "Who died and made you the Queen-King?"

3. Che Diaz ist nicht lustig

Es mag banal klingen, ist aber ein ernsthaftes Problem: Che Diaz, angeblich großer Star in der (queeren?) Comedy-Szene New Yorks, ist so lustig wie Richard Lugner am Opernball. Die Bühnen-Jokes sind eher politisch-aufgeladene Statements (schon wieder!) als Schenkelklopfer, das ausrastende Publikum ist da schwer nachvollziehbar. Aber vielleicht glauben diese Leute ja auch, dass Ellen DeGeneres der witzigste Mensch auf Erden ist. 

Ist der Podcast aufgrund der lauten Aufdringlichkeit und viel zu sehr betonten Obszönität schon sehr schwer auszuhalten, wird Che Diaz auf der Bühne zu einer Naturgewalt, vor der es kein Entkommen gibt.

Was provokativ und intelligent sein soll, mutet eher wie eine Parodie auf alle Linken dieser Welt an, so stumpf und leblos sind Ches Witze. Keine Worte lösten in den vergangenen Monaten mehr schweißtreibende Furcht in uns aus als "Che Diaz' Comedy-Konzert".

4. Che Diaz ist verantwortlich für den Miranda-Hass

Zwar bei weitem nicht in denselben Ausmaßen, aber wie Che wird auch die Figur der Miranda in "And Just Like That" heftigst kritisiert.

Anstatt der genialen, schlagfertigen und selbstbewusst-feministischen Anwältin bekommen wir nun einen (wie sie selbst sagt) unsicheren Nineties-Rom-Com-Meg Ryan-Verschnitt zu sehen, die ihre Familie ohne jegliche Schuldgefühle verlässt, um bei einer Person zu sein, die ihr weismacht, dass es das Erotischste auf der Welt ist, Mariuhana-Rauch in den Mund geblasen zu bekommen und in der Küche der kranken Freundin Sex zu haben.

Versteht uns nicht falsch: Alle Daumen rauf für sexuelle Verwirklichung und das Realisieren der eigenen Träume. Aber alles, was Miranda sich und anderen antut, ist die Schulbuch-Definition von "Out of Character": Verlegen stammelt sie vor Che herum, fliegt Che hinterher und tut so, als ob sie noch nie etwas von Queerness gehört hätte. Von früherer Aufgeklärtheit keine Spur mehr.

Noch schlimmer ist aber, dass Che und Miranda das Alptraum-Paar schlechthin sind: Nicht nur, dass zwischen Sara Ramirez und Cynthia Nixon keinerlei Chemie herrscht, ist Che unfähig, auf Mirandas Wünsche einzugehen, und sendet solch diverse Signale, dass einem selbst als ZuschauerIn irgendwann der Kopf schwirrt. Che ist vieles, aber nicht empathisch. 

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5. Che Diaz fordert Seh-Gewohnheiten heraus

Fassen wir zusammen: Che Diaz ist so ganz anders als alles, was wir bisher aus dem TV und gar der Streaming-Landschaft kennen. Che ist non-binär, sie entspricht keinen Mainstream-Schönheitsidealen. Che ist laut, furchtlos. Che hasst Schubladen und kämpft dafür, in keine gesteckt zu werden.

Che ordnet sich der Serien-Heldin nicht unter, Che zwingt sie – und uns –, außerhalb der geliebten und bequemen Normen zu denken. Che lässt uns über Dinge nachdenken, die unangenehm sind, weil sie in uns selbst Vorurteile wachrufen. So jemanden wie Che Diaz kannten wir bis dato in Mainstream-Serien nicht. 

Che bringt uns neben all der Klischeehaftigkeit und Nervigkeit dazu, uns selbst und unsere Ansichten zu hinterfragen.

Und vielleicht ist das der Hauptgrund, wieso ZuschauerInnen Che Diaz so sehr nervt ...

"And Just Like That" ist auf Sky zu sehen. Hier geht’s direkt zur Serie.

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