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01/17/2022

"And Just Like That": Figur von Steve sorgt für heftige Kritik

Justice for Steve: Die Produzentinnen von "AJLT" erklären, was hinter der wenig schmeichelhaften Darstellung von Steve steckt.

von Manuel Simbürger

Das "Sex and the City"-Sequel "And Just Like That" hat viele Probleme.

Zum Beispiel, dass Mitte 50-Jährige dargestellt werden, als wären sie eigentlich schon im Altersheim. Oder dass der Serien-typische Humor fehlt – sowie Samantha.

Oder auch: Dass Steve Brady, nunmehr langjähriger Ehemann von Miranda Hobbes, auf eine Art und Weise dargestellt wird, die so gar nichts mit jener in der Originalserie zu tun hat: In "Sex And The City" war Steve liebenswürdig, loyal, lebensfroh, bot seiner oftmals egozentrischen Ehefrau aber auch Kontra, wenn es sein musste.

In "Just Like That" ist davon nicht viel übrig geblieben: Zum Stichwortgeber degradiert, scheint Steve nicht viel mitzukriegen, was rund um ihn herum abgeht (Mirandas queere Affäre, beispielsweise), stolpert und stammelt umher, er kann seine Frau nicht mehr befriedigen und ist generell nur noch ein parodistischer Schatten seiner selbst.

Als wäre das nicht genug, haben die Serien-MacherInnen Steve zum schwerhörigen Mittfünfziger gemacht, dessen Hörprobleme nur für billige Gags herhalten, anstatt sich respektvoll mit diesem ernsthaften Problem auseinanderzusetzen.

Klar, dass diese Darstellung des beliebten Charakters auf viel Kritik und vor allem Unverständnis unter Fans stößt. Ähnlich wie auch bei Samantha hat sich im Netz so etwas wie eine "Justice4Steve"-Bewegung gegründet, die fordert, die Figur endlich (wieder) ernster zu nehmen und das Talent des Schauspielers David Eigenberg zu berücksichtigen.

Und auch zahlreiche Medien steigen auf diesen Zug auf: "The Cut" beispielsweise stellte klar, dass Steve "Besseres verdienen" würde.

"Wir lieben Steve!"

Nun reagieren zwei der Produzentinnen von "And Just Like That" auf diese massive Kritik. In einem aktuellen Interview mit der Branchenfibel "Vanity Fair" wollen Julie Rottenberg und Elisa Zuritsky von einer Abneigung gegenüber der Figur Steve Brady oder gar David Eigenberg nichts wissen, im Gegenteil: "Jeder in der Serie, jede einzelne Person, liebt David Eigenberg als Menschen. Wir lieben ihn als Schauspieler. Wir lieben Steve. (...) Er ist so voller Leben. Alle Steves da draußen sind gute Männer."

Es geht um Miranda, nicht um Steve

Wieso Steve dann trotzdem nur die zweite – dritte? vierte? fünfte? – Geige in Mirandas aktuellem Leben spielt, erklärt Rottenberg dadurch, dass es in Mirandas Storyline eben nicht um Steve gehe: "Mirandas Reise repräsentiert eine andere Realität da draußen, die viele Menschen durchmachen – die Neubewertungen und Übergänge im Leben."

Und: "Erwachsene Paare leben sich auseinander und Menschen lernen immer mehr darüber, ob ihr Ehepartner sie erfüllt oder nicht. Mirandas Geschichte war sehr repräsentativ für einen bestimmten Weg, auf dem sich viele Frauen befinden."

Keine Tugendhaftigkeit

Mirandas Verhalten mag in einer moralischen Grauzone liegen, vielleicht komplett falsch sein. Aber: Aalglatte Figuren ohne Ecken und Kanten zu schreiben, das sei niemals das Ziel von "Sex and the City" gewesen, betonen die Produzentinnen, weder damals noch heute. Es gehe nicht darum, "tugendhafte Charaktere zu erschaffen, so Zuritsky.

"Auch geliebte Menschen haben Krisen. Selbst moralische, im Allgemeinen wunderbare Menschen treffen Entscheidungen, die nicht unbedingt bewundernswert oder tugendhaft sind." Auch im echten Leben sei es so, dass "manchmal deine Freunde Entscheidungen treffen, mit denen du vielleicht nicht einverstanden bist oder die dich beunruhigen, aber du musst sie ihre eigenen Entscheidungen treffen lassen". Auch dann, wenn dies schwer fällt.

Eigenberg selbst hat Hörgerät ...

Die Fans (und KritikerInnen) sind also nicht glücklich über Steves Repräsentation in der Serie. Aber wie schaut's eigentlich mit dem Schauspieler David Eigenberg selbst aus? Müssen die Dreharbeiten für ihn nicht furchtbar frustrierend gewesen sein? Ganz und gar nicht, betonen Zuritsky und Rottenberg.

Eigenberg trage seit geraumer Zeit selbst ein Hörgerät und kämpfe mit Hörverlust. Dies sei das Erste gewesen, das der Schauspieler Michael Patrick King, dem Erfinder von "SATC", erzählte, als dieser ihn wegen der Serien-Fortsetzung kontaktierte. Dies führte dazu, dass auch Steve in "AJLT" an Schwerhörigkeit leidet, so die Produzentinnen.

Kurz: Der viel kritisierte Storyplot ist also von Eigenbergs realem Leben inspiriert. Wir meinen: Das ist jedoch keine Erklärung (oder gar Entschuldigung) dafür, wieso das Thema Schwerhörigkeit in "And Just Like That" lächerlich gemacht wird und als einziges Charakteristikum von Steve herhalten muss. 

... und ist "Team Miranda"!

Die AutorInnen jedoch ahnten, dass es einen Aufschrei geben würde, was die Darstellung von Steve in der Serie betrifft, geben Rottenberg und Zuritsky zu. Also wurden in der gesamten Crew "Team Steve"- und "Team Miranda"-Buttons ausgeteilt, um vorsichtig abzuchecken, wie diese Storyline aufgenommen wird.

Welcher der Buttons beliebter war, das wollten die Produzentinnen aber nicht sagen. Nur so viel: Eigenberg wählte den Miranda-Button. "Das ist typisch David Eigenberg. Genau das würde Steve tun."

Einen kleinen Trost hatten Zuritsky und Rottenberg für alle Steve-Fans auch noch parat: Es werde noch eine große emotionale Szene geben, die sich voll und ganz auf Steves Seelenwelt konzentrieren wird. "Ihr werdet diese Szene bekommen", versprachen die Produzentinnen.

"And Just Like That" ist auf Sky zu sehen. Hier geht's direkt zur Serie.

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