Warnermedia aims to cut costs due to pandemic

© EPA / ETIENNE LAURENT

News
12/04/2020

Filme von Warner Bros. ab 2021 schon beim Kinostart zum Streamen bei HBO Max

Das Hollywood-Studio versetzt der Kino-Branche einen harten Schlag und setzt ganz auf das eigene Streaming-Portal HBO Max.

Das Hollywood-Studio Warner Bros. hat eine Bombe platzen lassen, die nichts Gutes für die Zukunft der Kinos bedeutet: Alle Filme von Warner Bros. sollen im Jahr 2021 zeitgleich mit dem Kinostart auch via Streaming exklusiv beim eigenen Streaming-Portal HBO Max verfügbar sein. Diese massive Anpassung der Vermarktungsstrategie sei aufgrund der COVID-19-Pandemie notwendig geworden, gab das Hollywood-Studio bekannt. Abonnenten von HBO Max können sich daher im nächsten Jahr auf 17 Blockbuster freuen. Für die Kino-Betreiber ist diese Entscheidung hingegen eine Hiobsbotschaft.

Nach den Plänen des Hollywood-Studios sollen die 17 neuen Warner-Filme 2021 parallel zum US-Kinostart einen Monat lang bei HBO Max zu sehen sein. Danach sollen sie weltweit nur noch in den Kinos laufen. HBO Max steht derzeit nur Abonnenten in den USA zur Verfügung.

Dieses Hybrid-Modell hatte Warner Bros. kürzlich bereits für den Film "Wonder Woman 1984" angekündigt. Der Superheldinnenstreifen kommt am 25. Dezember gleichzeitig bei HBO Max und in den US-Kinos heraus. Wegen der Coronavirus-Pandemie war der Kinostart zuvor mehrmals verschoben worden.

Wonder Woman 1984

Exklusive Blockbuster sollen eigenen Streaming-Dienst pushen

Blockbuster wie "Godzilla vs. Kong", "The Suicide Squad", "Dune" und "Matrix 4" werden in den USA also zeitgleich mit dem Kinostart bei HBO Max zu sehen sein. Bisher lagen immer viele Wochen zwischen der Veröffentlichung im Kino und der späteren Streaming-Verwertung.

"Wir leben in beispiellosen Zeiten, die kreative Lösungen notwendig machen", sagte Warner-Bros.-Chefin Ann Sarnoff in einer Mitteilung. Natürlich wünsche sich jeder Filme auf der großen Leinwand, doch es müsse eine realitätsbezogene Balance gefunden werden. Die meisten Kinos in den USA würden im kommenden Jahr vermutlich mit geringerer Kapazität wirtschaften, prophezeit Sarnoff: Doch mit dem "einzigartigen Einjahresplan" könnte Warner Bros. gleichzeitig die Kinos und die Filmliebhaber zu Hause mit Inhalten versorgen.

Hinter der Entscheidung steckt aber wohl auch die Strategie, die eigene Streaming-Plattform HBO Max durch diese exklusiven Blockbuster im Wettbewerb mit Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ und zahlreichen anderen neuen US-Streamingdiensten zu stärken. Hierzulande könnte diese Entscheidung Sky zugute kommen.

Leerer Kinosaal angesichts des Coronalockdowns

Heftige Kritik der Kino-Betreiber

Die Entscheidung von Warner Bros. trifft die Kino-Betreiber in den USA hart. Von Seiten der Kinoketten kam umgehend heftige Kritik. Adam Aron, Chef des weltweit größten Kinobetreibers AMC Entertainment, warf Warner Media vor, mit diesem Modell auf Kosten der Studio-Profite seinen Streamingdienst HBO Max zu "subventionieren". Als Kino-Betreiber müssten sie "offensiv" ihre eigenen Wirtschaftsinteressen verfolgen, sagte Aron laut "Hollywood Reporter". Er hoffe auf baldige Impfungen gegen das Coronavirus und die Rückkehr der Zuschauer ins Kino. Die Aktien der großen Unternehmen wie AMC, Cinemark und IMAX rutschten ab, wie "Variety" berichtete.

In wichtigen Märkten in den USA, darunter New York und Los Angeles, sowie weltweit sind viele Kinos wegen der Coronakrise geschlossen oder dürfen nur mit geringer Auslastung öffnen. Zahlreiche geplante Filmstarts sind in den vergangenen Monaten auf 2021 verlegt worden.

Mit dem traditionellen Kinostart des Christopher-Nolan-Films "Tenet", der als einziger Blockbuster im Pandemie-Sommer auf die Leinwand kam, hatte Warner Bros. in den USA eine Pleite erlebt. Die mit Spannung erwartete 200-Millionen-Dollar-Produktion spielte dort nach Angaben den Branchenportals "Boxoffice Mojo" magere 57 Millionen ein.

2021 wird zeigen, ob die Rechnung von Warner Bros. mit gleichzeitiger Streaming-Veröffentlichung seiner Kinofilme aufgeht – und ob die Kinos sich unter dem Druck des Streaming-Booms und der Corona-Krise über Wasser halten können.

 

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