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02/28/2022

"Vikings: Valhalla": Wie historisch korrekt ist die Wikinger-Serie?

Der historische Actionkracher vermischt auf faszinierende Art wahre Begebenheiten mit dramaturgischen Freiheiten.

von Manuel Simbürger

"Vikings: Valhalla", das Spin-Off der erfolgreichen WikingerInnen-Serie "Vikings", die es auf stolze sechs Staffeln brachte, spielt mehr als 100 Jahre nach den Ereignissen in der Mutterserie, nämlich im frühen 11. Jahrhundert.

"Valhalla" zeigt die heldenhaften Abenteuer einiger der berühmtesten WikingerInnen aller Zeiten, darunter der legendäre Entdecker Leif Eriksson (Sam Corlett), seine feurige und eigenwillige Schwester Freydis Eriksdotter (Frida Gustavsson) und der ehrgeizige nordische Fürst Harald Sigurdsson (Leo Suter). 

Mix aus Historie und Fiktion

Wie schon das Original stützt sich "Valhalla" auf historische Fakten und wahre Begebenheiten – doch erneut werden in der Serie Realität und Fiktion vermischt, um genügend dramaturgische Freiheiten für spannend-blutige Abenteuer, detailliert-dreidimensionale Figurenentwicklungen und hochemotionale Beziehungen zwischen den WikingerInnen zu erschaffen.

So spricht Showrunner Jeb Stuart in einer Presseaussendung von Netflix zwar von einer "ziemlich authentischen Serie" (dank ausführlicher Recherchen), räumt aber gleichzeitig auch ein: "Manchmal haben wir zwar Daten und Figuren zeitlich und inhaltlich etwas verschoben, doch die historischen Fakten sind alle korrekt."

Verändernde Chronologie

Die größte Abweichung zur realen Historie betrifft die zeitliche Abfolge der einzelnen Schlachten und Kriege, die in der Serie nacherzählt werden: In Wirklichkeit liegen zwischen ihnen viele Jahrzehnte, wie auch "Filmstarts" analysiert, weshalb auch nicht immer dieselben Personen darin involviert waren (wie uns die Serie glaubhaft machen will).

Beispielsweise fand die (viele Jahre andauernde!) Invasion König Knuts in England erst zehn Jahre nach dem historischen Massaker am St. Brice's Day (bei dem der englische König Aethelred II befiehlt, alle Dänen in seinem Land abzuschlachten) statt. Eine Verdichtung der Ereignisse ist aufgrund einer steileren Spannungskurve aber freilich notwendig.

Hand in Hand geht mit solch einer dramaturgischen Verdichtung auch, welche der historischen Figuren (jeden Charakter in "Vikings: Valhalla" gab es tatsächlich!) wann genau lebte und wer mit wem eigentlich zu tun hatte.

So zum Beispiel waren Leif Eriksson und Freydis Eiríksdóttir eigentlich keine ZeitgenossInnen von Harald Sigursson. Und Leif war auch beim damaligen Angriff auf England nicht beteiligt, weil er zur damaligen Zeit gerade das heutige Amerika entdeckte (und nicht Kolumbus!)

Leif und das Christentum

Einer der Handlungsstränge der Serie ist die Hinwendung Leifs zum Christentum, nachdem er davon überzeugt ist, dass ein Kreuz ihm und Liv das Leben gerettet hat. Auch hier gingen die AutorInnen mit einem Hang zur zeitlichen Verdichtung ans Werk, aber ein wahrer Kern steckt in der Story trotzdem: Auch der reale Leif wechselte zum Christentum und war stolzer Anhänger der Religion, allerdings geschah dies schon viele Jahre früher, als in der Serie dargestellt. 

Die Zerstörung der London Bridge

Leif war auch an der Zerstörung der London Bridge nicht beteiligt, wie wir es in "Vikings: Valhalla" zu sehen bekommen (hier ist es sogar Leifs Plan, die Brücke zu Fall zu bringen).

Generell verlief dieses historische Ereignis ganz anders, als in der Serie dargestellt: Die London Bridge wurde nicht als Rache am St.-Brice's-Day-Massaker zerstört, sondern 1014, um die Invasionstruppen des dänischen Königs Sven Gabelbart, die die ummauerte City of London und Southwark belagerten, zu teilen. Drahtzieher waren König Æthelred II. und Olav II. Haraldsson. 

Canute und Englands Thron

Canute konnte England und den Thron durch den Fall der London Bridge übernehmen – so zumindest laut "Vikings: Valhalla". In Wirklichkeit aber wurde Canute aufgrund komplizierter Aushandlungen von Friedensbedingungen mit Edmund II. König von England – und wir geben zu, auch das ist sehr stark zusammengefasst. Wir verstehen also, wieso die Serie den leichteren "Erklär-Bär-Weg" gegangen ist!

Übrigens: Wie Edmund II. tatsächlich starb, ist nicht bekannt, es wird jedoch angenommen, dass er ermordet wurde (einer der Mythen besagt, dass dies während des Toilettengangs geschah!). Belegt ist aber sein Todesdatum: 30. November 1016.

Freydís Eiríksdóttir

Ob Freydís Eiríksdóttir tatsächlich die Tochter von Erik dem Roten war, ist nicht gänzlich belegt. Die unterschiedlichen Sagen, die sich um Freydís drehen, erzählen je eine unterschiedliche Origin-Story, wie "Screenrant" erklärt. Auch ist nicht überliefert, ob Freydís tatsächlich in die Konflikte zwischen Christentum und WikingerInnen involviert war. 

"Vikings: Valhalla" ist auf Netflix zu sehen. Hier geht's direkt zur Serie!

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