Old Joy

 USA 2005
Drama, Independent 76 min.
6.70
film.at poster

Old Joy erzählt die Geschichte der beiden Freunde Kurt und Mark, die, nachdem sie einander aus den Augen verloren haben, nun ein Wochenendausflug ins Gebirge wieder zusammenführt.

Betrachtet Mark den Ausflug in die Berge von Oregon als eine kurze Flucht vor seiner bevorstehenden Vaterschaft, erhofft sich Kurt davon den Auftakt für ein sorgenfreieres Leben. Als sie an ihrem Ziel - einer heißen Quelle in einem alten Wald - ankommen, kommt es zu einer Entscheidung: Entweder müssen sie ihre unterschiedlichen Lebenswege akzeptieren oder das zwischen ihnen anwachsende gespannte Verhältnis bewältigen. Natürlich tauchen aufgrund der Themenverwandtschaft Assoziationen zu Filmen wie Brokeback Mountain oder auch Sideways auf, und tatsächlich ist Kelly Reichhardts Old Joy ein Film über unsere Unfähigkeit, das Rad der Zeit anzuhalten, und über die Suche nach Zuflucht in einer zunehmend chaotischen Welt: Während Mark und Kurt in die Wälder aufbrechen, erinnern sie sich an einen früheren Zimmergenossen, passieren einen Getränkeladen, der vormals ein alternatives Plattengeschäft war, und lassen schlichtweg die Schönheit der vorbeiziehenden Landschaft auf sich einwirken, die Reichardts Kamera behandelt, als wäre sie ein letztes, vom Aussterben bedrohtes Grenzland. Die Szenen im Wald offenbaren dabei die Heiterkeit der Männer ebenso wie ihre Angst. In einer bemerkenswerten Sequenz bei der heißen Quelle lassen die beiden schließlich ihre Beziehung wieder aufleben, während sie sich gleichzeitig stillschweigend eingestehen, dass sie einander vermutlich nie wieder sehen werden. (Scott Foundas)

(Text: Viennale 2006)

Details

Will Oldham, Daniel London, Tanya Smith, Robin Rosenberg, Keri Moran, u.a.
Kelly Reichardt
Yo La Tengo
Peter Sillen
Kelly Reichardt, Jonathan Raymond

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Wandern im Wald
    Es ist die Entdeckung der inhaltlichen Leere, bzw. das Fehlen von anschauenswerter Handlung. Über eine Stunde lang wandern zwei Jugendfreude durch den Wald, nehmen ein Bad und gehen wieder heim. Sie führen bedeutungslose Gespräche, teils persönliche aus der gemeinsamen Jugendzeit, teils über Gott und die Welt, Chaos und Ordnung. Man traut seinen Augen und Ohren nicht und bleibt nur dabei, weil man überzeugt ist, dass noch etwas passieren wird. Tut es aber nicht. Sie wandern immer weiter. Man sieht endlose Kamerafahrten durch Baumgipfel und hört im Autoradio politische Diskussionen über Präsident Johnson. Selbst gegen das eiserne Theatergesetz von G. B. Shaw wird verstoßen: wenn man eine Pistole sieht, muss sie auch zum Einsatz kommen. Manche Kritiker haben hier die angebliche Melancholie mit Langeweile verwechselt. Nach der unterschiedlichen Lebenseinstellung der beiden Typen muss man lange und tief graben, um fündig zu werden. Und der Titel ’Alte Freude’ scheint ironisch gemeint zu sein. Die Freude ist nicht auszumachen, ebenso wenig wie der angebliche Verlust linker Ideale. Das ist keine Werbung für das Independentkino. K.V.