Once Upon a Time in Anatolia

 TK/BiH 2011

Bir zamanlar Anadolu'da

Drama, Krimi 150 min.
7.80
Once Upon a Time in Anatolia

Ein ganz und gar seltsamer und tranceartiger, tiefer Film: eine Gruppe von Männern fährt durch Anatolien auf der Suche nach einem Mordopfer.

Durch die schwarze Nacht der anatolischen Berge bewegt sich eine Autokolonne. Es sind zwölf Männer auf der Suche nach einer Leiche. Der Mörder soll ihnen die Stelle weisen, wo er den Toten vergraben hat. Im Laufe der nächtlichen Reise enthüllen sich allmählich die beteiligten Charaktere. Der Arzt, der Staatsanwalt, der Kommissar, der Ortsvorsteher, die Polizisten und der schweigende Kenan, den man irgendwann nicht mehr für den Mörder hält. Immer weiter zieht der Film den Betrachter ins Sprechen, ins Leben, in die Gesichter, die sich aus dem Dunkel zu geheimnisvollen, banalen und spannenden Existenzen schälen.

(Text: Viennale 2011)

Details

Muhammet Uzuner, Yilmaz Erdogan, Taner Birsel u.a.
Nuri Bilge Ceylan
Gökhan Tiryaki
Nuri Bilge Ceylan, Ebru Ceylan

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Die Türkei heute
    Das Markenzeichen von Nuri Bilge Ceylan sind lange, wortlose Einstellungen. Darauf muss man sich einstellen. Dabei helfen einem aber die wunderschönen Bilder, auch wenn hier ein Großteil der Handlung sich nachts abspielt.
    Diesmal geht er noch einen Schritt weiter. Es beginnt mit einer völlig unklaren Ausgangssituation: fünf Männer in einem fahrenden Auto. Nach und nach erfahren wir, worum es hier geht. Und da wird gleich ein Gegensatz zwischen den Gesprächen und dem Zweck der Fahrt deutlich. Da schwingt Komik mit und auch leichte Spannung kommt auf, weil man neugierig wird. Ein mutmaßlicher Mörder hat versprochen die Polizei zum Fundort der Leiche führen. Doch jetzt kann er sich nicht mehr erinnern.
    Der ganze Tross aus Kommissar, Staatanwaltschaft und einem Arzt verfranzt sich in der Pampa. Ihnen geht es eigentlich um persönliche Probleme. Der Gefangene führt sie alle an der Nase herum. Auch vermöbeln hilft nicht. Geschichten werden erzählt (siehe Titel!). Eine handelt vom Selbstmord einer Frau. Man muss in einem Dorf Rast machen. Das erste Highlight in diesem reinen Männerfilm ist der Auftritt der schönen Tochter Cemile (Cansu Demirci) des Ortsvorstehers. Sie reicht Tee. Schweigen! Die Männer glotzen, staunen, säfteln. Wechsel von der Komik zum Ernst des Lebens. Wie ein Roter Faden zieht sich eine Geschichte vom Suizid einer Frau durch die Handlung. Der Gerichtsmediziner fragt immer weiter nach. Man ahnt wer es sein könnte. Regisseur Ceylan hat ein Kaleidoskop geschaffen, dessen Facetten teilweise an den ‘Zerbrochenen Krug‘ und dem Braven Soldaten Schwejk‘ erinnern. Darüber hinaus kämpfen viele mit der modernen Technik und völlig unbehelligt davon mit eigenen Problemen. Die Aufklärung des Verbrechens ist eigentlich Nebensache. Es entsteht auch ein Bild der ländlichen Türkei Anfang des 21. Jahrhunderts.