Paradise (2006)

 Columbia 2006

Paraíso

Independent, Avantgarde 55 min.
film.at poster

«Poesie soll sein wie ein kalter Körper, mit dessen Mund man alles machen kann», lautet ein Zitat auf der Tonspur von Paraíso. Mit diesem Montagefilm aus Super-8-Aufnahmen, Videosequenzen und Archivmaterial schuf Guerrero eine poetische Evokation Kolumbiens, von einem Land gefangen in seiner gewaltvollen Geschichte, träumend von Lust und Frieden. Wie sprachlose Zeugen tauchen Arbeiter, Militärs, Funktionäre, Demonstranten und Liebende auf und verschwinden wieder. Impressionen von verfallenden Häusern und kaputten Straßen im Regen, von Militäraktionen und lustvollem Sex, von üppiger Vegetation und kargen Lebensbedingungen zeichnen ein Inferno im Paradies und umgekehrt, erzählen von einer Nation voller Verletzungen und Verletzlichkeit. Das Super-8-Material erweckt den Eindruck von Privatem, Flüchtigem und verleiht Paraíso einen intimen Charakter, was irritierend dort wirkt, wo öffentliche Übergriffe passieren. Satt und glatt hingegen erscheinen die Filmoberflächen von zwischengeschnittenen erotischen Szenen und sexuell aufgeladenen Bildern, Klammern einer Utopie, während die Archivmaterialien, obwohl gezeichnet von den Spuren der Zeit, immer wieder nahtlos in die aktuellen Szenen von Krieg und Armut ragen. Als historische Quelle nützte Guerrero u.a. Archivalien des nur wenige Jahre überlebenden oppositionellen TV-Senders teletigre aus den 60er Jahren. Inspiration fand Guerrero in der literarischen Bewegung des Nadaísmo, die, in ihren Anliegen jenen der Beat-Generation nahestehend, als Antwort auf den gewaltvollen Bürgerkrieg und die Desillusionierung gegenüber der Supermacht USA in den 60er Jahren ihren Höhepunkt feierte. Einer der bekanntesten Vertreter des Nadaísmo, Jaime Jaramillo Escobar, bekannt unter seinem Pseudonym «X-504», ist auf der Tonspur von Paraíso zu hören. Mit schaurig schönen Gedichten, die sich an die Bilder schmiegen und ihnen zugleich trotzen - wie es dem Wesen der Poesie entspricht. (Verena Teissl)

(Text: Viennale 2006)

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Felipe Guerrero
Roberta Ainstein, Ezequiel Borra, Sebastián Escofet, Zu
Felipe Guerrero
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