Queen of Diamonds

 USA 1990
Drama, Independent 77 min.
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Queen of Diamonds ist eine psychologische Tour de force über den inneren Verfall amerikanischer Kultur. Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Frau - einmal mehr packend dargestellt von Tinka Menkes -, die in Las Vegas als Kartengeberin beim Blackjack arbeitet und das austeilt, was sie auch selbst erhält: Wut, Langeweile, Verachtung. In kühlen Bildern beschwört Queen of Diamonds dabei ein Gefühl, das stets von der Gefahr einer Katastrophe begleitet wird. Unerschrocken starre Langzeiteinstellungen - eine Art psychopathischer Vérité-Blick - dienen dazu, das Publikum aus dem Gleichgewicht zu bringen und in den subtilen Terror, der sich auf der Leinwand entfaltet, zu verwickeln. Queen of Diamonds ist ein von Anfang bis Ende beeindruckender Film, der Lösungen zurückweist und die Zuschauer stattdessen herausfordert, sich auf das Gefühl amerikanischer Entfremdung einzustellen. (Jon Stout) Der bemerkenswerteste Moment in Queen of Diamonds ist eine 17-minütige Sequenz, die mit verschiedensten Kameraeinstellungen in einem überfüllten, lauten Casino in Las Vegas gefilmt wurde. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Kartengeberin, eine ruhige, schöne junge Frau; der Rest des Films, der großteils mit einer statischen Kamera gedreht wurde, zeigt, wie sie langsam ihre Fassung verliert. Queen of Diamonds, das jüngste Filmjuwel von Nina Menkes, ist eine obsessive Neuformulierung sehr persönlicher Themen: Wüste und Wasser, Durst, physisches Unbehagen, der billige Glanz von Neonlichtern, die Einsamkeit einer Frau in einer Landschaft, die sie erdrückt. Der Film überrascht wiederholt mit unerwarteten, klar komponierten Bildern - ein verkehrtes Kreuz, eine brennende Palme, Elefanten, die einen Autounfall umringen -, die nie grundlos expressionistisch sind, sondern subtil mit den unausgesprochenen Emotionen der Protagonistin mitschwingen. Queen of Diamonds könnte im Amerika der 90er Jahre das werden, was Chantal Akermans Jeanne Dielman im Europa der Siebziger war: ein Kultklassiker, der rigorose visuelle Kompositionen verwendet, um die innersten Nischen der Seele zu durchdringen. (Bérénice Reynaud, «Chicago Reader», 1991) Neue Kopie aus der Sammlung des Academy Film Archive.

(Text: Viennale 2007)

Details

Tinka Menkes (Firdaus)
Nina Menkes
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