Filmkritiken
08.05.2018

"Rampage – Big meets Bigger": Tierische Riesenkeilerei

Angeregt durch das alte Arcade-Game gleichen Namens, entfesselt dieser Film ein Duell zwischen drei genetisch veränderten Tieren.

Endlich trifft „The Rock“ jemanden, der mehr auf die Waage bringt und stärker ist als er. Dass es sich dabei um einen Albino-Gorilla handelt, ist vielleicht weniger schmeichelhaft, bestätigt aber Darwins Theorien auf unwiderlegbare Weise – und weil Johnson hier einen Primatenforscher spielt, würde er mir da sofort zustimmen. Allerdings kommt noch eine kräftige Portion ‚verrückte Wissenschaft‘ ins Spiel, denn ursprünglich war der Silberrücken gar kein Monster, sondern ein ganz normaler Affe, der Zeichensprache beherrscht, über eine recht spezielle Art von Humor verfügt und auch mal gerne den Stinkefinger ausfährt. Erst durch Einatmen eines genverändernden Kampfstoffes wird er dann in King Kongs ausgebleichten Bruder verwandelt – und noch zwei andere Tierarten (ein Wolf und ein Krokodil) sind von der aggressions- und wachstumsfördernden Mutation betroffen.

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Vom Spiel zum Spielflm

Für alte Spielernaturen, die bereits vor drei Jahrzehnten an der Konsole gesessen sind, dürfte diese Geschichte bekannt klingen und tatsächlich handelt es sich um die Verfilmung eines klassischen Arcade-Games von 1986.  Daher verlagert eine kurze Texteinblendung zu Beginn die Vorgeschichte auch in die 80er Jahre, während die Handlung des Films dann jedoch in der Gegenwart angesiedelt ist. Nach einem feurigen Auftakt im Orbit unseres Planeten und einer knappen Einführung unserer menschlichen und tierischen Protagonisten, geht‘s schon bald richtig zur Sache und der freundliche Gorilla George legt an Größe und Gefährlichkeit zu. Sein ratloser menschlicher Ziehvater (Dwayne Johnson) erhält Erklärungen und Hilfe durch eine Gentechnikerin (Naomie Harris). Auch ein Agent mit Cowboymanieren ( Jeffrey Dean Morgan) beginnt mitzumischen, und ein sturer Militarist sieht als letzten Ausweg vor der gigantischen Dreifachbedrohung nur einen Nuklearschlag.

Auf Seiten der Bösen tritt ein Geschwisterpaar in Erscheinung: Jake Lacy („Carol“, „The Office“) spielt derart vollendet einen strohdummen Schnösel, dass man allein durchs Zusehen Angst um absterbende Gehirnzellen bekommt, während die Schwedin Malin Akerman (Silk Spectre II aus „Watchmen“) als seine Filmschwester die Denkarbeit für beide übernimmt und entsprechend skrupellos handelt. Immerhin hat man das ganze Schlamassel bloß ihrem Forschungsunternehmen zu verdanken.

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Tierisches Monstertrio

Das tierische Trio ist ziemlich ungleich geraten. Gerade der Wolf sieht nicht sehr überzeugend aus und wirkt wie eine recht liebelose Computer-Geburt – daran kann auch seine spezielle Zusatzfähigkeit nichts ändern, die von Johnson ganz lapidar kommentiert wird: „Na klar, der Wolf kann fliegen.“ Das Ding aus dem Wasser bleibt die längste Zeit untergetaucht und macht sich nur durch riesige Wellen bemerkbar. Wenn es dann zum Finale den Fluten des Chicago Rivers entsteigt, gibt es sich als ausgewachsener Godzilla zu erkennen. Sobald die drei Tiere endlich aufeinandertreffen und die militärischen Streitkräfte ebenfalls losfeuern, kann das große Städtevernichten wieder einmal beginnen, weil einstürzende Hochhäuser bei den Amerikanern einfach immer noch angesagt sind. Aber bereits der echte King Kong war ja ein begeisterter Hochhauskletterer und hat sich in seiner Urwaldheimat auch mit Sauriern herumgebalgt. Daher steht der mitreißend inszenierte Gigantenkampf in einer langen Tradition.

"The Rock" ist unverwüstlich

Das richtige Urviech ist jedoch wieder einmal „The Rock“ selbst: sogar mit einer Kugel im Bauch vollbringt er noch übermenschliche Leistungen und als seine Begleiterin einmal ausruft: „Ich kann gar nicht glauben, dass wir das gerade überlebt haben“, befindet sie in guter Gesellschaft – für uns alle ist das nämlich auch völlig unerklärlich. Zugleich absolviert Johnson ein gutes Training für seinen nächsten Filmauftritt, wenn er in „Skyscraper“ als einbeiniger Sicherheitsexperte von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer springt, könnte er sicher auch einen Gorilla als Unterstützung brauchen.

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franco schedl