Ratcatcher

 GB/F 1999
Drama 02.08.2002 
film.at poster

Ein 12jähriger schottischer Junge versucht seiner tristen Alltagsrealität zu entkommen.

Im Mittelpunkt des mehrfach ausgezeichneten Debutfilms der schottischen Regisseurin steht der 12jährige James, der mit seiner Familie in den 70er Jahren in einem Arbeiterviertel von Glasgow lebt und beginnt, seine Umwelt plötzlich mit anderen Augen wahrzunehmen. Ein Müllarbeiter-Streik hält die Stadt in Atem, das triste Viertel verwandelt sich in einen Slum, der lange geplante Umzug der Familie verzögert sich, die lokale Teenager-Bande akzeptiert ihn nicht, sein Vater ist kaum jemals nüchtern anzutreffen, und noch dazu gibt sich James die Schuld am Tod das gleichaltrigen Ryan Quinn, der im Kanal ertrunken ist ...
Ohne Larmoyanz, mit nüchternen Kamerablicken zeichnet Lynne Ramsay die Sorgen und Nöte einer Kindheit nach und setzt dem Elend des Arbeiterviertels wundervole Momente voll Poesie entgegen, als James unverhofft etwas außerhalb der Stadt auf eine idyllische Naturlandschaft stößt, die für ihn zum Ort der Träume wird - doch nach kurzen Momenten des Glücks holt ihn die brutale Wirklichkeit wieder ein.
Um die richtige Besetzung für ihren ersten Spielfilm zu finden, hat Ramsay ein zweimonatiges Casting durchgeführt; fast alle der Kinder und Jugendlichen standen im "Ratcatcher" erstmals vor der Kamera.
Obwohl die Regisseurin selber in Glasgows Wohnsilos aufgewachsen ist, wollte sie keine tränenerregende Anklage über das soziale Elend drehen. Sie sieht ihr Filmschaffen als Beispiel einer sehr europäischen Art von Kino, die eher durch Bilder und Emotionen bestimmt wird, als durch eine stringente Erzählung.
Lynne Ramsays nächstes Projekt ist eine Adaptation des Romans "Morvern Calley" von Alan Warner.

Details

William Eadie, Tommy Flanagan, Mandy Matthews, Leanne Mullen, John Miller, Michelle Stewart
Lynne Ramsay
Rachel Portman
Alwin Küchler
Lynne Ramsay
Kairos-Film

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • James und das neue Haus
    Dieser Film von Lynne Ramsay ist einer aus der langen Reihe der englischen Dramen über die Unterschicht (working class drama). Die Behausungen sind so alt, dass man meinen könnte, Karl Marx hat sie noch gesehen. Arbeitersiedlungen, z. T. ohne Bad und WC neben Plattenbauten der 70er Jahre. In diesem Viertel in Glasgow herrscht das Faustrecht. Die Stadt versinkt im Müll, Ratten und Unrat überall. Dieses triste Milieu erleben wir aus der Perspektive der besonders Leittragenden, der Kinder. Die Eltern sind Randfiguren. Sie sind auf der Arbeit oder besoffen. Nur der zwölfjährige James (William Eadie) sehnt sich nach einem anderen Zuhause in einem Neubaugebiet mit frischer Luft und von goldenen Kornfeldern umgeben. Neben knallharter Realität ist hier aber auch Platz für fantasievolle Kinderträume, die von konkreten Situationen ausgehen. So denkt sich James beim Spielen aus, dass eine weiße Maus, die an einem roten Luftballon hängt, zum Mond fliegt. Sie verlässt diese schreckliche Erde und manifestiert die Sehnsüchte des kleinen James. Da sich sein Traum in nächster Zeit auf dieser Welt wohl nicht erfüllen wird, träumt er sich in eine surreale Schlusssequenz hinein mit goldenen Kornfeldern auf dem Weg ins neue Heim. Sehr komplex angelegt. Die Laiendarsteller sind absolut authentisch und auch technisch ist der Film weit über dem Durchschnitt dieses Genres.