Semaan Bil Day'ia (The One Man Village)

 Libanon 2008
Dokumentation 86 min.
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1983 kam es im Libanongebirge, eine Autostunde von Beirut entfernt, zu Kämpfen zwischen christlichen und drusischen Milizen. Die christliche Bevölkerung musste nach Beirut fliehen, ganze Dörfer, darunter Aïn al-Halazoun, wurden entvölkert und zerstört. Eine Aussöhnung wurde 1994 öffentlich deklariert und den Christen die Rückkehr in ihre Dörfer gestattet. Doch dreizehn Jahre später ist Aïn al-Halazoun immer noch ein Geisterort: Seine Bewohner haben sich aufgrund der schwierigen Lebensumstände, entschieden, in Beirut zu bleiben. Sie kommen nur ins Dorf, um ihr Land zu bestellen und um nach ihren Häusern zu sehen, doch sie verlassen den Ort immer vor Sonnenuntergang. Nur ein Mann hat beschlossen, ganz nach Aïn al-Halazoun zurückzukehren: Semaan El Habre. Über den Zeitraum von einem Jahr hat dessen Neffe Simon El Habre die Alltagsroutine in Aïn al-Halazoun beobachtet. Sein Porträt dieser verlassenen Ortschaft reflektiert die kollektive und die individuelle Erinnerung und stellt die formale Aussöhnung in Frage. Und dennoch ist es, durch die Geschichte von Semaan, auch die Geschichte einer Heilung. The One Man Village ist das eindringliche Porträt einer komplexen, vergessenen Landschaft. Weit über den eigenen, familiären Zugang und Horizont hinaus gelingt es Simon El Habre, diese Landschaft als einen solchen Gedächtnisraum zu zeigen: Mit zurückhaltender Distanz versucht er - als Stillleben und in gezielten und doch beiläufigen Gesprächen - nicht nur seinen Onkel zu verstehen, sondern auch die psychosozialen Facetten derer, die es vorzogen, nicht in das Dorf zurückzukehren. (Bettina Allamoda)

(Text: Viennale 2009)

Details

Simon El Habre
Bassem Fayad, Marc Karam
Simon El Habre

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