Shen nu (The Goddess)

1934

Drama

Min.76

Ruan Lingyu in ihrer Star-Rolle als namenlose junge Frau, die sich in der Anonymität der Großstadt prostituiert, um ihren kleinen Sohn zu ernähren. Ein kleiner Gauner trachtet nach ihren Einnahmen, engstirnige Nachbarn diskriminieren Mutter und Kind. Nur der alte Schuldirektor zeigt sich beeindruckt von den lauteren Motiven der Frau und von ihrem Einsatz für eine bessere Zukunft des Jungen. Vergeblich beschwört er das soziale Gewissen und das Grundrecht auf eine solide Ausbildung. Den Hoffnungen der Frau ist schließlich nur über einen fatalen Umweg Erfüllung beschieden. The Goddess ist wie alle Filme Ruan Lingyus ein Stummfilm. Stärker noch als andere Arbeiten scheint er das weitgehend sprachlose Erzählen auszukosten. Damit gehen eine gewisse Verlangsamung und eine Verschiebung auf andere Ausdrucksformen einher was sich wiederum in treffender Weise mit der Handlung des Films verbündet. Auch das verbotene Gewerbe, mit dem die Frau nächtens den Familienunterhalt bestreitet, baut darauf: auf verstohlene Blicke, den beredten Einsatz von Accessoires wie Täschchen oder Tüchlein, auf kodifizierte Gesten und Bewegungen ein betontes Schlendern, eine kleine Nachlässigkeit, ein abwartendes Klopfen mit der Fußspitze, ein stummes Übereinkommen, ein unauffälliger gemeinsamer Abgang. Regisseur Wu Yonggang erfindet für die Inszenierung dieser Geschäftsanbahnungen in kargen Studiodekors immer neue filmische Variationen. Die Abgebrühtheit, mit der sich die Frau von Berufs wegen inszeniert, wird von ihrer privaten Persona konterkariert. Ruan Lingyu zieht alle Register, gibt die Kokette, die Mürrische, die Toughe, die Sanfte, die Besorgte und die Opferbereite, dekliniert mit scheinbarer Leichtigkeit eine ganze Bandbreite an Frauenrollen durch und hat sich damit für alle Zeiten den Titel einer Leinwandgöttin erspielt. (Isabella Reicher)

(Text: Viennale 2005)

  • Regie:Wu Yonggang

  • Kamera:Hong Weilie

  • Autor:Wu Yonggang

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