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03/15/2021

6 Serien, bei denen man was lernt

Nicht in der Schule, sondern von Serien lernen wir! Wir haben eine ganz besonders unterhaltsame Nachhilfestunde vorbereitet.

von Manuel Simbürger

Generell können wir von allen Serien etwas lernen: über das Leben, die Liebe, die Moral. Es gibt aber auch Serien, die uns ganz spezifisches Wissen anbieten und uns dieses auf unterhaltsame Weise näher bringen: Wissen über Physik zum Beispiel (ihr wisst schon, welche Serie wir meinen, oder?), über Politik, das Weltgeschehen oder über Religion. Wir lernen etwas dazu, ohne es zu bemerken, die Wissensvermittlung geschieht ganz nebenbei – in der Pädagogik würde man an dieser Stelle von "Spielerischem Lernen" sprechen. In Hollywood nennt man das Education-Entertainment.

Dass sich die Drehbuch-Autor*innen dann und wann auch die eine oder andere drmaturgische Freiheit erlauben, muss natürlich bei der seriellen Nachhilfe-Stunde mitbedacht werden – ist aber auch durchaus verständlich und nachvollziehbar, wir befinden uns schließlich immer noch auf einer hügeligen narrativen Spielwiese voll von farbenprächtigen Blumen und sich versteckenden Tierchen und nicht in einem stickigen, begrenzten und fantasielosen Klassenzimmer. Trotzdem: Die Serien, von denen wir sprechen, legen bei ihren Geschichten auf ausgiebige Recherche Wert und bemühen sich um Faktentreue, so gut es einem Unterhaltungsmedium möglich ist.

Wir präsentieren 6 Serien mit Lerneffekt:

The Big Bang Theory: Verhandlungen für 13. Staffel angelaufen

The Big Bang Theory (2007-2019)

Die kultige Sitcom von Chuck Lorre verhalf nicht nur der Nerd-Kultur zum weltweiten Durchbruch, sondern auch das Interesse an der Welt der Physik stieg plötzlich schlagartig an. Denn wer hätte gedacht, dass Schrödingers Katze, die String-Theorie oder Schwarze Löcher so schenkelklopferisch sein können? Physik-Lehrer*innen sollten sich von Sheldon, Leonard und Co. dringend eine große Scheibe abschneiden: Denn "The Big Bang Theory" beweist, dass es einen sehr guten Sinn für Humor braucht, um sich durch die komplexen und anspruchsvollen Prinzipien der Quantenphysik durchschlagen zu können.

Toll: die Autor*innen arbeiteten mit dem Physikprofessor David Saltzberg zusammen, der darauf achtete, dass all die physikalischen und wissenschaftlichen Theorien und Gleichungen in der Serie auch ihre Richtigkeit haben. 

Lerninhalte: Die physikalische Welt. Unter anderem: Suprafluidität, Perpetuum mobile, 4-dimensionales kartesisches Koordinatensystem, Zentrifugalkraft vs. Zentripetalkraft, Newton: Ursache und Wirkung, Doppler-Effekt, Schrödingers Katze, Antrhopisches Prinzip, Holographisches Prinzip

Prüfungsaufgabe: Welche mechanische "Regel" dient Leonard in Staffel 2/Episode 1 als Metapher, um Penny vorzuschlagen, wie es mit deren Beziehung weitergehen könnte? Nenne diese Regel und erkläre sie!

Note: Sehr gut

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The Newsroom (2012-2014)

Wenn Aaron Sorkin für das Drehbuch einer Serie verantwortlich zeichnet, kann man sicher sein, dass dieses pointiert, vielschichtig, dialoglastig, ambitioniert und vor allem präzise recherchiert ist. Die HBO-Medien-Serie über eine fiktive Nachrichten-Redaktion wirft nicht nur einen sehr strengen und kritischen Blick auf die (damalige) politische Lage der USA, sie blickt ebenso über die eigenen Landesgrenzen hinaus und nimmt das Weltgeschehen ins Visier, beispielsweise in Form des Umweltskandals Deepwater Horizon, der Jagd auf Osama bin Laden, Fukushima, Edward Snowden sowie der US-amerikanischen Militäroperation in Irak, bei der das US-Marine Corps angeblich illegales Saringas für Zivilist*innen verwendete. Angenehm un-patriotisch werden dabei Diskurse über Demokratie, Gerechtigkeit, Menschenrechte und Pressefreiheit an die Oberfläche gebracht. 

Lerninhalte: nationale und internationale Politik sowie aktuelles Weltgeschehen. Siehe oben.

Prüfungsaufgabe: Welche Rolle spielt die "Vierte Gewalt", also die Presse, bei Whistleblowing? Sollte sie unterstützend wirken, dem Thema ablehnend gegenüber stehen oder sich um neutrale Berichterstattung bemühen? Erläutere zudem, wie du zum Thema Whistleblowing stehst.

Note: Gut

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Dr. House (2004-2012)

"Dr. House" ist die vielleicht am besten recherchierte Arzt-Serie, die es jemals gegeben hat – getragen von einem Protagonisten, den man genauso sehr liebt wie hasst. Ähnlich einem Kriminalfall werden seltene (und meist lebensgefährliche) Krankheiten des/der Patient*in Schritt für Schritt und für den/die Zuseher*in nachvollziehbar und anschaulich diagnostiziert. Die Serie, die mit medizinischen Fachberater*innen zusammenarbeitete, ist bekannt dafür, medizinisches Wissen sowohl korrekt als auch spannend zu übermitteln. Zudem sind Expert*innen davon überzeugt, dass Fans der Serie bei medizinischen Notfällen eher den Notarzt informieren. 

Selbst "echte" Ärzt*innen sprachen öffentlich darüber, die Fälle der Serie zu Diagnosezwecken in ihren beruflichen Alltag einzubeziehen. Der deutsche Kardiologe Jürgen Schäfer, Professor an der Philipps-Universität Marburg, hielt Seminare über die in der Serie behandelten Krankheiten und erhielt 2010 dafür den "Ars legendi"-Preis für exzellente Hochschullehre. Aber nicht nur das: Schäfer konnte dank "Dr. House" einem Patienten das Leben retten: Auf die richtige Diagnose stieß er nur dank der elften Folge der siebten Staffel. 

Lerninhalt: Fortgeschrittene Medizin mit Fokus auf seltene Erkrankungen und rätselhafte Diagnosen.

Prüfungsaufgabe: Eine junge Patientin (Weiß, Anfang 20) bricht plötzlich zusammen und fällt ins Koma. Sie ist zwar nicht ansprechbar, singt aber trotzdem permanent Disco-Hits aus den 1970er-Jahren. Stelle die richtige Diagnose.

Note: Sehr gut

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The Man in the High Castle (2015-2019)

Die Serie bietet einen faszinierenden Blick in eine Parallelwelt, in der das Deutsche Reich und Japan als Sieger aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgingen und große Teile des Staatsgebiets der Vereinigten Staaten besetzten. Das ermöglicht es uns Zuseher*innen, die NS-Zeit, einen der dunkelsten Flecken auf der menschlich-historischen Landkarte, aus einem interessanten sowie lehrreichen alternativen Blickwinkel zu betrachten.

Die Umdeutung historischer Ereignisse regt (wie es alle guten Alternativwelt-Geschichten tun) zum Nachdenken und Reflektieren an und man erfährt Aspekte aus der ohnehin sehr gut erforschten NS-Zeit, die man bisher nicht kannte. Zudem sensibilisiert "The Man in the High Castle" für ein Thema, das seit geraumer Zeit leider aktuell wie schon lange nicht mehr ist.

Lerninhalt: Die Geschichte des Nationalsozialismus

Prüfungsaufgabe: Stell dir vor, die Nazis hätten den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Wie würde die Welt heute aussehen? Mindestens 4.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen)

Note: Gut- 

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Transparent (2014-2019)

Die Dramedy über eine gut situierte jüdische Mischpoche mit Mort Pfeffermann als Familienoberhaupt, das sich im Pensionsalter als transsexuell outet und von da an als Frau das Leben neu entdeckt, ist ein groß und außerhalb jeder Norm angelegtes, skurriles, gesellschaftskritisches, warmherziges, freches und vor allem authentisches Psychogramm einer Familie, die sich in Los Angeles durchs Leben kämpft, liebt, streitet und im Finale sogar singt – "mit all den Verwerfungen, die das Leben in einer so übersättigten, degenerierten und latent depressiven, aber auch hochkomplexen, sensibilisierten, durchtherapierten und -gegenderten Gesellschaft mit sich bringt", wie "Standard"-Journalistin Mia Eidlhuber pointiert zusammenfasst.

Die Pfeffermans haben Themen wie Transsexualität, nicht-binäre Geschlechterformen, Identitätsfindung und auch die jüdische Religion mit all ihren Traditionen im besten Sinne massentauglich gemacht, ohne sich und den Themen dabei untreu zu werden. Es blieb herausfordernd kompliziert bis zum bitteren Ende, und genau das soll "Transparent" auch sein. Die Geschichte rund um Maura Pfefferman basiert auf den eigenen Erfahrungen der Serienschöpferin Jill Soloway: deren Vater outete sich im Lebensherbst als transsexuell.

Lerninhalt: queere Sexualität und jüdische Religion

Prüfungsaufgabe: Erkläre den Unterschied zwischen den Begriffen Transgender – Transsexualität – Transvestit!

Note: Gut 

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Supernatural (2005-2020)

Während der 15 Staffeln bauten die Autor*innen nicht nur ein in sich stimmliches Universum auf, sondern griffen auch auf bekannte urbane Legenden, griechische Mythologien, Fabel- Folklore- und Sagenwesen und Märchengestalten zurück – Geschichten also, von denen wir alle auf die eine oder andere Art schon mal gehört und vor denen wir uns bereits gefürchtet haben.

Wenn Sam und Dean gegen die Weiße Frau, Bloody Mary, den Crossroad-Dämon oder den Hookman antreten und sogar mit der ur-alten Roanoke-Legende konfrontiert werden, dann sind wir gefesselt und lernen nebenher über deren faszinierenden Ursprünge – oder googeln sie einfach nach der Episode! Nicht die blutrünstigste Schlacht macht den Horror in "Supernatural aus, sondern die Möglichkeit, dass all die Gefahren, denen sich die Brüder stellen, tatsächlich real sein könnten. 

Ab der vierten Staffel nimmt mit der Einführung der (Erz-)Engel die Religions-Thematik einen immer größeren Platz in "Supernatural" ein, zum Schluss wird Gott himself zum erbarmungslosen Endgegner der Winchesters. Dabei tauchen die Serienmacher*innen ganz tief in die biblische Mythologie ein: Wir erfahren mehr über die Verbindungen zwischen Himmel, Hölle und Fegefeuer, wer und was Erzengel wirklich sind, wie sie zueinander stehen, was es mit Luzifer auf sich hat und zum Beispiel auch, was an dem sagenumwobenen Kainsmal dran ist. Religionsunterricht der etwas anderen Art!

Lerninhalt: Sagen, Fabeln, Märchen, Legenden, griechische Mythologie, Religion

Prüfungsaufgabe: Zähle drei moderne Legenden auf und erkläre sie im Detail!

Note: Gut - 

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