Filmkritiken
07.11.2017

"Suburbicon": Unheile Vorstadtwelt

Nach einem Drehbuch der Coen Brüder zeigt George Clooney, welche Abgründe sich hinter der scheinbar heilen amerikanischen Vorstadtwelt der 1950er Jahre verbergen.

Welch eine amerikanische Vorstadtidylle der 50er Jahre präsentiert sich uns da: lauter fröhliche Gesichter posieren vor schmucken kleinen Häuschen in einer Werbebroschüre, die sich zu Beginn vor uns aufblättert. Doch da das Drehbuch von den Coen-Brüdern stammt, können wir sicher sein, dass der Schein trügt und hinter der harmlosen Oberfläche sehr böse Dinge zum Vorschein kommen werden.

Rassismus und andere böse Dinge

Die ersten Risse erhält die heile Welt für die Einwohner von Suburbicon, als eine schwarze Familie wagt, ebenfalls in eines der Vorzeigehäuschen einzuziehen. Der Volkszorn kocht hoch und entlädt sich bald in rassistischen Ausschreitungen. Doch das wahre Böse lauert im Nachbarhaus der Familie Lodge, wo der kleine Nicky immer schreckliche Dinge verkraften muss: zuerst haben zwei nächtliche Einbrecher den Tod eines Familienmitglieds verschuldet, dann verhalten sich sein Vater und die Tante äußerst seltsam und schließlich muss er um sein Leben fürchten, weil einer der Verbrecher wieder zurückgekehrt ist.

Eine starke Mischung

Die Coens haben da eine starke Mixtur zusammengebraut: man nehme einen Film Noir in Stil von „Double Indemnity“, gebe eine Prise Hitchcock bei, schmecke das Ganze durch Sozialkritik ab, verfeinere die Mischung mittels einer Krimi-Farce à la „Fargo“ und vollende sie durch die Zutaten eines bösen Märchens, als wäre ein Hänsel des 20. Jahrhunderts in die Fänge von modernen Hexen und Menschenfressern geraten.

Clooney als Regisseur

Unter George Clooneys Regie ergeben diese Elemente jedoch kein stimmiges Ganzes. Seine etwas schwerfällige Inszenierung lässt den komödiantischen Schwung vermissen und erzeugt einen eher grobschlächtigen Eindruck. Statt subtiler Satire bekommen wir eine plakative Nebeneinanderstellung der verschiedenen Motive geboten. Das hindert jedoch Matt Damon als Familienvater mit dämonischer Seite und Julianne Moore in Gestalt einer gefährlichen Blondine keineswegs an bemerkenswerten Auftritten; auch der junge Noah Jupe legt – nicht nur im Verkraften der diversen Schockmomente – ein beachtliches Talent an den Tag. Nächstes Mal sollten die Coens ihr Drehbuch aber besser wieder in Eigenregie umsetzen.

6 von 10 dunklen Punkten in Nachbars Garten

franco schedl