Süt - Milch

 D/Türkei 2010
Drama 07.10.2011 
6.70
Süt - Milch

Das Leben des Jugendlichen Yusuf wird von Tagträumen und Literatur bestimmt - er kann daher den traditionellen Erwartungen seiner Mutter an ihn als männliches Familienoberhaupt nicht gerecht werden.

Yusuf, Anfang 20, lebt bei seiner Mutter Zehra am Rande einer anatolischen Kleinstadt.

Gemeinsam verkaufen sie selbst hergestellte Milchprodukte ihrer beiden Kühe auf dem lokalen Markt, eine harte Arbeit, die wenig einbringt. Die Geschäfte gehen immer schlechter, denn mit der zunehmenden Industrialisierung und der Entstehung von Neubauvierteln gehen immer mehr Menschen in die neuen Supermärkte.

Zehra verlangt von Yusuf, durch geregelte Arbeit zum gemeinsamen Lebensunterhalt beizutragen. Aber Yusuf kann diesen traditionellen Erwartungen als männliches Familienoberhaupt nicht gerecht werden, da er sich lieber in Tagträumen und Literatur verliert. Als eines seiner Gedichte in einer Literaturzeitschrift veröffentlicht wird, wächst in ihm der Wunsch nach künstlerischer Selbstverwirklichung und Anerkennung.

Zehra verliebt sich in den örtlichen Bahnhofsvorsteher und entdeckt ihre Weiblichkeit wieder. Plötzlich ist Yusuf nicht mehr der einzige Mann in ihrem Leben, und weder die Gedichte noch die Milch, deren Verkauf von Tag zu Tag weniger einbringt, können ihm jetzt weiterhelfen, sein Leben zu meistern.
Einen Ausweg scheint der Einberufungsbescheid des Militärs anzubieten. Für die Musterung muss Yusuf in die Großstadt fahren. Dort lernt er Semra kennen, die sich auch für Lyrik interessiert. Aber bevor es zur Romanze kommt, wird Yusuf als untauglich ausgemustert. Er kehrt desillusioniert in sein Dorf zurück - und muss seinen Weg finden.

Details

Melih Selçuk, Başak Köklükaya, Riza Akin, Saadet Işil Aksoy u.a.
Semih Kaplanoğlu
Özgür Eken
Semih Kaplanoğlu, Orçun Köksal
Stadtkino

Kritiken

Kinoprogramm

Es sind uns keine Vorstellungen bekannt.

Film bewerten

0

User Kritiken

  • Milchmann oder Poet
    Ein Mutter-Sohn Drama in einer sich verändernden Welt. Den Lebensunterhalt verdienen sie mit dem Verkauf von Milch. Yusuf (Melih Selcuk) versucht sich als Nachwuchslyriker, Mutter Zehra (Basak Köklükaya) sucht einen Mann und da gibt es nur einen, der bei der Bahn arbeitet. Hier hat Semih Kaplanoglu seinen Minimalismus etwas übertrieben. An die überlangen wortlosen Einstellungen muss man sich gewöhnen. Das eigentliche Geschehen bleibt für den Zuschauer verborgen. Man kann es nur erahnen und am Ende geteilter Meinung sein.
    Vordergründig passiert schon ein wenig, das ist aber nur schmückendes Beiwerk, wie Yussufs Musterung. Zu sehen bekommen wir Unverständliches: ein Mädchen hängt kopfüber an einem Baum, die Männer ziehen eine Schlange aus ihrem Mund. Yusuf überschlägt sich mit dem Motorrad bei einem epileptischen Anfall. Weder er noch das Motorrad bekommen einen Kratzer ab.
    Wir sehen nur die Auswirkungen von geplanten Vorhaben: Mutter Zehra macht sich fein, zwei Tassen auf dem Tisch, sie strahlt. Yusuf folgt dem Auto des Bahnhofsvorstehers ins Schilf: widererwarten trifft er einen Jäger und findet einen Fisch.
    Ein typischer Festivalfilm: da fegt der Wind immer wieder durch die Blätter der Büsche. Geräusche statt Action, Blicke statt Worte. Zwei Menschen suchen ihren Weg. Offen bleibt, ob sie erfolgreich oder glücklich werden. Nichts Genaues weiß man nicht. Na ja!?