Tod in Venedig

 I 1970

Morte a Venezia / Death in Venice

Drama, Literaturverfilmung 130 min.
7.50
Tod in Venedig

Dirk Bogarde himmelt mit letzten Kräften einen Jungen an und stirbt verklärt. Luchino Viscontis opulente Verfilmung der gleichnamigen Thomas Mann-Novelle.

Was ihn an Manns Novelle bewegt habe, sei die Geschichte seiner Einsamkeit und Verzweiflung gewesen. Wieder, in besessener Repetition, eine Visconti-Apotheose von Agonie und Scheitern inmitten eines Ambientes überreifer Schönheit. Die Novelle nur mehr Ausgangspunkt für die Ausmalung abbröckelnder bellezza: Venedig, heimgesucht von Scirocco, Cholera, Unrat, Zerfall. Und auf der psychischen Ebene das nämliche Motiv. Die Suche nach dem befreienden absolut Schönen führt zur Pein einer uneingestandenen und platonischen Liebe und diese zur sinnlichen Erniedrigung des apollinischen Komponisten-Dirigenten Von Aschenbach. Zu abschiedsprächtigen Adagios zeigt Visconti das Koma der Belle Epoque und das Sterben seines Helden in Farbbädern zerrinnender Schminke. Es spricht für Viscontis Kraft als Künstler, dass seinem Werk mehr geblieben ist als Tableaus, Couleurs und Dekors - ein durchgehendes Klima von Untergang und Qual. (Harry Tomicek)

Details

Dirk Bogarde, Silvana Mangano ua.
Lucino Visconti
Gustav Mahler
Pasquale De Santis
Luchino Visconti, Nicola Badalucco nach Thomas Mann

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Todesmelodie
    Dieser Klassiker von Visconti verlangt dem Zuschauer einiges ab. Zu einen weil in den 130 Minuten fast nichts passiert. Ein alter, kranker Komponist Gustav von Aschenbach (Dirk Bogarde in der Rolle seines Lebens) himmelt einen schönen Jüngling Tadzio (Björn Andrésen) an, und verzehrt sich schmachtend noch ihm, ohne je ein Wort an ihn gerichtet zu haben. Da laufen nur Blicknümmerchen. Und Venedig um 1900 ist der bilderbuchmäßige Hintergrund des Dramas. Selten wurde die Lagunenstadt in so morbide Bilder gefasst. Retrospektiven bringen etwas Abwechslung in den Schmachtfetzen. Wir sehen Aschenbachs Frau und Tochter und müssen feststellen, er war wohl ähnlich wie sein geistiger Vater Thomas Mann latent bisexuell. Und als illustre Rose am Wegesrand der Handlung glänzt Silvana Mangano als Tadzios Mutter rein optisch durch ihre Präsenz.
    Neben dieser sexuellen Interpretation kann man natürlich auch noch den latenten Gegensatz zwischen Alter und Jugend ins Feld führen, vor allem wenn man das titelgebende Ende bedenkt und Aschenbachs Versuch sich vom Barbier aufhübschen zu lassen. Eine dritte Komponente kommt noch hinzu und das ist die Musik von Gustav Mahler (3. Und 5. Symphonie). Sie unterstützt als Soundtrack fast unentwegt die wortkarge Handlung. Ein Gesamtkunstwerk, das man entweder mag oder nicht. Über dessen filmischen Wert es allerdings keine zwei Meinungen gibt.