Filmkritiken
14.03.2018

"Tomb Raider": Lara Croft mit viel Werbeästhetik und wenig Angelina

Der norwegische Regisseur Roar Uthaug liefert mit seiner ersten großen Hollywood-Produktion einen durch und durch generischen Actionfilm ab.

Lara Croft war Ende der 90er-Jahre ein Popstar: Vollbusig, Wespentaille, lasziver Blick, leicht bekleidet, schwer bewaffnet. Im Adventure-Rollenspiel Tomb Raider hüpfte sie als weiblicher Indiana Jones über tödliche Fallen und lüftete die mystischen Geheimnisse längst vergessener Grabstätten. Doch der Zauber des Games war bald abgenutzt. In der zehnten Version des Originalspiels im Jahr 2013 wurde das Spiel neu erfunden. Lara Croft wurde neu modelliert. Sie bekam weniger üppige Formen und eine Geschichte, die erzählt, wie sie von der einfachen Forscherin zur todesverachtenden Schatzjägerin wurde. Soviel zur Game-Vorlage.

Alicia statt Angelina

Angelina Jolie ver-körper-te die Game-Ikone der 90er-Jahre perfekt. Aber als Actionfilm waren die beiden"Tomb Raider"-Filme genauso Stangenware wie die"Resident Evil"-Filme als Zombiefilme. Und es ist wohl auch kein Zufall, dass diese wohl erfolgreichsten Kino-Adaptionen von Videospielen vor allem durch ihre nicht gerade unattraktiven Hauptdarstellerinnen geprägt wurden.

Mit der Neuverfilmung von "Tomb Raider" ist es genauso: Alicia Vikander verkörpert die neue Lara Croft nicht weniger perfekt. Lara ist das Mädchen von nebenan. Als Fahrradbotin verdient sie mühsam das Geld für ihr Box-Training. Vom Milliardenvermögen und dem Konzern ihres Vaters will sie nichts wissen. Daddy ist seit sieben Jahren verschwunden, seinen Tod will sie aber nicht akzeptieren. Auch als sie einen Hinweis auf seinen Aufenthaltsort auf einer entlegenen Insel bekommt, versetzt sie lieber persönliches Hab und Gut, als auf das Familienvermögen zuzugreifen. Doch die Suche nach dem verlorenen Vater ruft natürlich auch die Bösen auf den Plan. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Action von der Stange

Wenn diese Kurzbeschreibung ein wenig generisch klingt, dann deshalb, weil der norwegische Regisseur Roar Uthaug mit seiner ersten großen Hollywood-Produktion einen durch und durch generischen Actionfilm abgeliefert hat. Das liegt gar nicht so sehr an der Einfachheit der Handlung. Es gibt großartige Actionfilme mit ganz banalen Plots. Aber hier ist alles vorgezeichnet. Die Charaktere sind platt, die Handlung vorhersehbar und die Action hat man so oder besser schon irgendwo anders gesehen.

Generische Heldin, zahmer Schurke

Vikander liefert im Rahmen dessen, was man aus der Rolle machen kann, noch die beste Performance ab. Aber wenn nicht gerade ein Schiff versinkt oder ein Gebäude einstürzt, geht die Action - vor allem theatralisch inszenierte Sprünge und Parkour-artige Verfolgungsjagden - in der pseudo-realistischen Inszenierung unter, die oft an ein Werbevideo erinnert. Als zahmer Bösewicht dient Walton Goggins, der als " Boyd Crowder" in der TV-Serie "Justified" einen großartige Schurken gespielt hat. Doch auf der großen Leinwand ist der Mann eindeutig überfordert. Es ist letztlich nicht die Gesichtsgymnastik, die einen guten Schurken ausmacht.

Erwin Schotzger