Vier Minuten

 D 2006
Drama 07.09.2007 112 min.
7.40
Vier Minuten

Chris Kraus zweiter Kinospielfilm ist eine furiose Hymne an die Kraft der Musik, die den Kern der Freiheit in sich trägt.

Seit mehr als 60 Jahren gibt die Pianistin Traude Krüger (Monica Bleibtreu) Klavierunterricht in einem Frauengefängnis. Eine Schülerin wie Jenny (Hannah Herzsprung) hatte sie noch nie. Verschlossen, unberechenbar, zerstörerisch - und früher ein musikalisches Wunderkind. Sie könnte es schaffen, einen bedeutenden Klavierwettbewerb zu gewinnen, an dem sie trotz ihrer Haftstrafe teilnehmen darf. Die Vorbereitung auf den Wettbewerb wird zum Kräftemessen zwischen der aufsässigen Jenny und ihrer preußisch strengen Klavierlehrerin - ein Lebens- und Liebesduell, das an den tiefen, verborgenen Schmerz beider Frauen rührt.

In einem furiosen Finale bleiben Jenny vier Minuten, um etwas zu tun, was niemand, nicht einmal Traude, von ihr erwartet.

Details

Hannah Herzsprung, Monica Bleibtreu, Sven Pippig u.a.
Chris Kraus
Annette Focks
Judith Kaufmann
Chris Kraus
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Kritiken

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User Kritiken

  • Zucht gegen Genie
    Es ist einer der besten deutschen Spielfilme der letzten Jahre. Mit zwei überragenden Hauptdarstellerinnen (Monica Bleibtreu, Hannah Herzsprung), die sich als Antipoden ergänzen und an einander reiben. Beide agieren auf Augenhöhe und beide leiden unter ihrer Vergangenheit. Mit ungeheuerer Vitalität und Lebenskraft tritt die eine auf, die mit ihrer brachialen Gewalt auch vor Selbstverstümmelung nicht Halt macht. Die andere kommt mit dem preußischen Ideal von Zucht und Ordnung daher. Ihre raue Schale offenbart schon bald den weichen Kern. Dabei geht es aber doch eigentlich um Musik! Das Geniale ist aber nicht nur der schlichte Titel, der nur dem etwas sagt, der den Film gesehen hat, sondern die zweite Ebene, die bis in die NS Vergangenheit zurückreicht. Und drittens gibt es so ganz nebenbei eine kritische Schilderung der Zustände in Strafvollzug. Und - das ist bei diesem ernsten Thema wirklich erstaunlich - es gibt komische Szenen zum Lachen. Und dann das furiose Finale! So eine Musik hat man so bisher noch nie gehört.
    Chris Kraus hat seiner Klavierlehrerin mehr als nur ein Denkmal gesetzt. Geschliffene Dialoge treffen oft ins Schwarze, wie z. B. bei der Begegnung vor dem entscheidenden Konzertauftritt:
    Vater: „Ich wünsche dir viel Glück Jenny.“
    Jenny: „Ich wünsche, dass du bald stirbst.“
    Die Ausdruckskraft überwältigt und die emotionale Tiefe schafft Ergriffenheit bis an den Rand der Taschentuchbox.