Vladimir et Rosa

 F/BRD 1971
Independent, Avantgarde 103 min.
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Slapstick und Theater und der Bruch mit dem System, den die militanten Filmemacher in Bilder umsetzen wollen. Godard und Gorin sind ziemlich oft selbst im Bild, und sie stammeln sich übermütig durch ein fiktives Interview, das auf einem Tennisplatz geführt wird. So gesehen illustriert der Film treffend das, worüber Godard gerade spricht: Die bourgeoise Selbstgefälligkeit und Muße der Tennisspieler wird der Arbeit und dem revolutionären Kampf der Filmemacher gegenübergestellt. Wenn man auch annehmen möchte, dass der Commedia-dellarte-Stil dieses Films den fiktionalen Aspekt forciert, so geht es Godard und Gorin doch ganz klar um die Signifikanz des Prozesses um die Chicago Eight [1969/70 erregte die Verhandlung gegen acht Leute, die angeblich die gewalttätigen Demonstrationen beim Parteitag der Demokraten 1968 angezettelt hatten, internationales Aufsehen], die sich für sie in der Theatralik manifestiert, mit der die Angeklagten sich verteidigen. Der ganze Film dreht sich um die Frage, wie man schauspielert und wie Theater als Revolution begriffen werden kann, scheint doch die Grundthese des Films zu sein, dass unsere Beziehung zum repressiven System, das uns umgibt, sich in unserer Art zu schauspielern äußert und die Metapher Theater eignet sich besonders für die eminent theatralische Situation, bekannt als Prozess. (...) In ihrem Selbstinterview fabrizieren sie jede Menge Wortspiele um das Wort «balle» (wie etwa in «Tennisball», «ballern» und dem französischen Äquivalent für diese kleinen runden Bonbons), und Godard weist stammelnd darauf hin, dass «le ciné-mama» ebenfalls ballert mit zuckerüberzogenen Kugeln, die tödlich sein können. Das wesentliche Problem für sie als militante Filmemacher, erklärt er, bestünde jedoch darin, «la rupture» den Bruch mit dem System in Bilder umzusetzen. Eine Möglichkeit, das zu tun, liege darin, «die Bilder zu finden, die uns unterdrücken, um sie zu zerstören». So gesehen illustriert das Bild, das wir in ebendiesem Moment sehen, treffend das, worüber Godard gerade spricht, denn es stellt die bourgeoise Selbstgefälligkeit und Muße der Tennisspieler neben die Arbeit und den Kampf der militanten Filmemacher. (James Roy McBean, Godard and the Dziga Vertov Group, 1972)

(Text: Viennale 2004)

Details

Jean-Luc Godard (Rosa), Jean-Pierre Gorin (Vladimir), Ernest Menzer (Richter), Claude Nedjar (Dave Dellinger)und mit Anne Wiazemsky, Juliet Berto, Yves Afonso
Groupe Dziga Vertov (Jean-Luc Godard, Jean-Pierre Gorin)
Groupe Dziga Vertov
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