Voici venu le temps / Time Has Come

F, 2005

FilmIndependentAvantgarde

Min.83

Das Land heißt Obitania und erinnert an eine verschlafene südfranzösische Provinzgegend, zusammengewürfelt historisierend ist die Kleidermode, gegessen wird Ounaye-Fleisch, getrunken wird Goalane und bezahlt wird mit Krabans. Der herumstreifende Söldner Fogo Lompla wird vom lokalen Schlossherrn beauftragt, dessen Tochter Aube aufzuspüren, die vom Banditen Manjas-Kébir gekidnappt wurde. Fogo freilich konspiriert, wenn er nicht gerade auf eine Stippvisite bei seinem Liebhaber vorbeischaut, längst mit den Banden, welche die Ounaye-Hirten von ihrem Joch befreien möchten. Nach seinem schillernden und bisweilen kryptischen Langfilmdebüt Pas de repos pour les braves kehrt der französische Regisseur Alain Guiraudie mit seinem neuen Film in die geradlinigere Erzählwelt von Du soleil pour les gueux aus dem Jahr 2000 zurück, einem aus seiner bei der VIENNALE 2001 gezeigten Reihe kurzer und mittellanger Filme: Fabelwesen, eine unbrechbare Lust an lautmalerischen Fantasienamen und Dialogwitz transformieren seine unmittelbare Heimat in eine surreale Welt pastoraler Schelmen- und Räuberstücke. Wenig bewegt sich die Kamera, staksig bis rockig agiert die Darstellerriege, welche konstruierte Textzeilen mit Betonung ausspricht. Das hat den Gestus von frei vagabundierenden Theatergruppen und ist zugleich Travestie auf Provinzbühnen, die Klassiker aufführen, wobei eine Unbeholfenheit jedoch schon beim Kostümfundus sichtbar wird. Guiraudies Schein-Amateurhaftigkeit ist zudem auch parodistische Hommage an den in Frankreichs Kino gerne gepflegten Dialog mit dem Theater-Erbe ein «practical joke», der Voici venu le temps zu einem eigenwilligen Vergnügen macht. (Hans Christian Leitich)

(Text: Viennale 2005)

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  • Regie:Alain Guiraudie

  • Kamera:Antoine Heberle

  • Autor:Alain Guiraudie

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