Volkspolizei / 1985

 DDR 1985
Dokumentation 60 min.
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"DDR-Eulenspiegeliade" (Anke Westphal), die Zweite: Als der "Staatlichen Filmdokumentation" die Schließung drohte, stellte Heise, auf einem "geborgten" Bogen offiziellen Briefpapiers, direkt an das zuständige Ministerium den Antrag für eine letzte Dokumentation. Dem daraus resultierenden Mißverständnis (nämlich, daß Heise und sein Kameramann Peter Badel Mitarbeiter des Ministeriums des Inneren seien) verdankt Volkspolizei die einzigartige Nähe, die er gegenüber dem Arbeitsalltag in einem Berliner Polizeirevier einnehmen kann.
Das VP-Revier 14 liegt in Berlin-Mitte, nur etwas mehr als einen Kilometer von der Mauer, der "Nahtstelle zum Imperialismus" (so einer der Polizisten), entfernt. Einen Anker in der Erzählung bildet das Vorzimmer der Station: Hinter dem Pult des Diensthabenden hervor blickt die Kamera in den Empfangsbereich hinein, auf Telefonate, Schichtwechsel, die "Zuführung" von Bürgern, Protokollnahmen und Verhöre. Der Alltag im Revier ist eintönig, besteht überwiegend aus Kleinkram: eine Vermißtenanzeige wird aufgenommen, ein junger Gruftie belehrt, Funksprüche werden beantwortet und einem häuslichen Gewalttäter Schläge angedroht, während eine Wandtafel über korrektes Verhalten in der Öffentlichkeit - Gehtempo, Blickkontakt und die Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Kräften" - belehrt.
Entscheidend ist, wohin Heise schneidet, welche Bilder er für den zuweilen heimlich aufgenommenen Originalton findet - auf desolate Hinterhöfe beispielsweise, wenn von den Vierzimmerwohnungen der jungen Volkspolizisten die Rede ist, oder auf eine Betonmischmaschine, wenn von der "Arbeit mit der Bevölkerung" die Rede ist. Die unglaublichsten Sätze spricht ein anonymer Verhafteter im Off des Bildes: Daß die Mauer, der Stacheldraht, der ganze Apparat vielleicht nicht dazu dienen, "die da drüben" fern zu halten, sondern "uns hier einzusperren". Quelle: Kinoreal
Länge: 60 min

Details

Thomas Heise
Peter Badel

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