Welcome to L.A.

 USA 1976
Drama 106 min.
6.10
film.at poster

Ein versoffener Songschreiber lebt und liebt sich durchs Los Angeles der späten 70er Jahre.

Alan Rudolphs Filmdebüt: ein entspannt inszeniertes Gesellschaftsfresko aus der Stadt, in der Hollywood liegt, und wo das klare Licht die Menschen zu verändern scheint. Nirgendwo sonst als in den Avenues und auf den Boulevards Hollywoods haben die Menschen offensichtlich so wenig zu tun, so wenig Stress und soviel Hedonismus im Blick. Auch in Welcome to L.A. hat keiner besonders viel zu tun, was die Menschen allerdings nicht glücklicher macht: Ein junger Rockmusiker kehrt heim, um im Auto durch die Stadt zu streifen, auf der Suche nach Zeit vertreibenden Affären. Und die, die er kennen lernt, haben alle irgendwie peripher oder direkt miteinander zu tun: das Kino als ein Netz der Lebenslinien und der schiefwinkeligen Beziehungen, das Kino als Kontakt-Zufallsgenerator. Das System Altman, unverkennbar: Alan Rudolph, Auteur des US-Kinos und ein letzter der ewig Unabhängigen, ließ Welcome to L.A. von jenem Mann produzieren, mit dem er davor bereits jahrelang als Regieassistent gearbeitet hatte von Freund und Mentor Robert Altman. Noch die schmerzhaftesten Erkenntnisse und Handlungswendungen, seine Höhepunkte, inszeniert Rudolph wie andere ihre ruhigsten Phasen: Im Unterspielen unterläuft er Hollywoods liebste Strategien, das Überhöhen und Hochpeitschen, im desillusionierten Blick ergeben sich die klarsten Lebensbilder. Wie Geraldine Chaplin in gemieteten Limousinen an den Palmen des San Fernando Valley vorbeifährt, an sonnigen Nachmittagen, zu einem melancholischen Song, der vom «living in the city of the one-night-stands» erzählt; wie der junge Harvey Keitel seinen Lebensüberdruss in Arbeitswut erstickt; wie Keith Carradine am Ende, statt eines großen Finales, noch einmal in einem abgedunkelten Studio, am Piano nur ein Lied singt: Das alles unterscheidet sich fundamental nicht nur von Amerikas Massenkino, sondern empfindlich auch von den sich schnell konsolidierenden Randzonen des Independentfilms, der längst selbst zur Industrie geworden ist. (Stefan Grissemann)

Details

Keith Carradine (Carroll Barber), Sally Kellerman (Ann Goode), Geraldine Chaplin (Karen Hood), Harvey Keitel (Ken Hood), Lauren Hutton (Nona Bruce), Sissy Spacek (Linda Murray), John Considine (Jack Goode), Viveca Lindfors (Susan Moore), Richard Baskin (Eric Wood), Denver Pyle (Carl Barber)
Alan Rudolph
Richard Baskin
David Myers
Alan Rudolph
MGM United Artists 2500 Broadway Street Santa Monica, CA 90404 T 310 449 3802 F 310 449 3069

Kritiken

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User Kritiken

  • Welcome to LA
    Einer jener Filme, die Kult sein sollten, es aber nie wirklich schafften...
    So schön und melancholisch, so entspannt und abgeklärt war es wohl nie in der Wirklichkeit von Hollywood - alle belagern sich hier unaufhörlich, wollen etwas voneinander, leben meilenweit nebeneinader her, bezahlen mit Sex und dem Versprechen von Nähe... Nur die Besoffenen und Verrückten sehen sich wirklich und gehen ein kleines Stück Weges gemeinsam. In kurzen Momenten scheint es, als hätten Vater und Sohn sich etwas zu sagen, aber die Lebensmühle der Stadt geht über diesen Moment hinweg. Unterlegt von der ebenso coolen wie wahren Musik von R. Baskin entfaltet der Film einen Sog, der die 70iger Jahre zum vergangenen goldenen Zeitalter verklärt.