White Material

 F 2009
Drama 100 min.
7.00
White Material

Irgendwo in Afrika, in einer von Bürgerkriegen gebeutelten Gegend, versucht Maria verzweifelt ihre Kaffeeplantage zu retten. Auch wenn dies große Gefahren für sie und ihre Familie birgt.

Bereits in ihren Filmen Beau travail, L'Intrus oder 35 rhums forschte die französische Filmemacherin Claire Denis nach jenen Dingen, die die Welt im Innersten zusammenhalten: Gewalt und Leidenschaft, Traum und Erinnerung, Alltag und Routine, Fremdheit und Zärtlichkeit. In ihrer jüngsten Arbeit, White Material, folgt sie der Auflösung einer Kaffeeplan­tage in den Wirren eines afrikanischen Bürgerkriegs. Die Arbeiter fliehen, die Besitzerin versucht, im Dorf neue Arbeiter zu organisieren, um die Ernte noch einzufahren, der Mann will seine Haut durch Geschäfte mit dem Bürgermeister und seinen Milizen retten, der Vater ist sterbenskrank, und der erwachsene Sohn ist auch keine Hilfe, weil er längst auf seinem eigenen Trip ist. Aber so einfach sind die Beziehungen bei Denis nie zu durchschauen, weil man sie sich auch selbst erschließen muss. Die Faszination rührt daher, dass die Figuren nie um Aufmerksamkeit buhlen, sondern nur so viel preisgeben, wie man in die Begegnung mit ihnen zu investieren bereit ist. Durch ihre Welt bewegt man sich auf Augenhöhe, erst tastend, dann neugierig, bis man irgendwann gefangen ist. Und wenn die Gewalt dann ausbricht, folgt sie nicht den üblichen Regeln des Kinos, sondern mit einer Beiläufigkeit, in der ihre Willkür und Grausamkeit umso schockierender spürbar werden. Wie genau und zugeneigt der Blick von Claire Denis ist, merkt man schon daran, dass man Isabelle Huppert selten so bei sich gesehen hat wie hier. (Michael Althen)

(Text: Viennale 2009)

Details

Isabelle Huppert (Maria), Christophe Lambert (Dans), Isaach de Bankolé (Boxer), Nicolas Duvauchelle (Manuel Viab| Adèle Ado, Michel Subor, William Nadylam
Claire Denis
Stuart S. Staples (Tindersticks)
Yves Cape
Claire Denis, Marie N'Diaye

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Alltag in Afrika
    Ein packendes und zugleich erschütterndes Drama Es ist spannend, denn die Normalität wird vom Chaos bestimmt, wobei jede Figur permanent vom Tod bedroht ist. Es ist erschütternd, weil es ein sehr persönliches Drama ist. Dafür steht symbolträchtig eine rudimentäre Restfamilie: Ex-Ehemann André (Christopher Lambert) will nach Frankreich zurück, Sohn Manuel wird so etwas wie ein Einzelkämpfer, eine Mischung aus Rambo und Revolutionär und verschwindet im Busch. Nur Maria (Isabelle Huppert) bleibt und kämpft für ihre Kaffeeernte. Sie will nicht wahrhaben, was nicht sein darf.
    Wir bewegen uns hier in einem gesetzlosen Raum, in dem das Faustrecht gilt, die Macht der Waffen. Man kennt sich, die meisten sind langjährige Nachbarn. Da gehen Massaker und Gräueltaten besonders unter die Haut. Der Soundtrack malträtiert zusätzlich das Trommelfell der Zuschauer. Claire Denis zeigt dies alles ungeschminkt realistisch. Am Ende sieht man nicht genau wer wen und warum umbringt. Man fragt nicht, sondern mordet zuerst. Oder man hilft einem Feind. Stellvertretend für die Anführer von Freischärlern liegt da plötzlich ‘Der Boxer‘ (Isaach de Bankolé) in Marias Haus. Die Situation ist für Europäer unvorstellbar. Es wird deutlich, dass das Fehlen von jeglicher Ordnungsmacht nur Leid und Schmerz verursacht. Davon sind wir ja gottseidank weit entfernt. Eine lehrreiche Momentaufnahme.