Bad Boy Kummer

 CH/D 2010
Dokumentation 92 min.
6.30
Bad Boy Kummer

Tom Kummer wurde durch seine gefälschten Interviews bekannt. In zahlreichen deutschen Zeitungen - vor allem im Magazin der Süddeutschen - veröffentlichte er Interviews mit Stars und Prominenten, Interviews, die er allerdings nie geführt hatte.

"Kakerlaken liefern Proteine. Dabei wird die Beute, die man an einem Tag fangen kann, mit einem Stück Brot vermanscht und wie eine Riesenpille runtergeschluckt", so zitierte er den Boxer Mike Tyson und dessen Gefängniserfahrungen. Nur hat Kummer Tyson weder getroffen noch sonst wie mit ihm gesprochen. Ebenso wenig wie mit Sharon Stone, Brad Pitt oder Pamela Anderson. Dieser Poesie der Lüge spürt nun Kummers ehemaliger Redakteur, Miklós Gimes, nach: "Kann Kummer dazu stehen, was er damals angestellt hat? Hat er ein eher pathologisches Verhältnis zur Wahrheit?" Er selbst sieht sich als Dichter, aber in der erlaubten Lüge der schriftstellerischen Fiktion hat er sich nicht durchgesetzt; es scheint, er braucht jene unerlaubte journalistische Lüge, um zu glänzen.

Nicht zuletzt vermittelt BAD BOY KUMMER ein Gefühl dafür, wie stark die neunziger Jahre von einem großen Versprechen geprägt waren - dem Versprechen des Pop. Mike Tyson spricht über Nietzsche, Sean Penn über Kierkegaard, Ivana Trump hat sich eine komplett eigene Philosophie zum Thema "Der Mensch und das Sein" zurechtgelegt. Und in deutschen Redaktionen fand Kummer begeisterte Abnehmer für seine Fabrikationen, die als "Borderline-Journalismus" vermarktet wurden. "Seht her! So krass, so nah, so smart kann Journalismus auch sein!", schrieen damals die Cover der Magazine mit Kummers Geschichten drin. Und so kann man zwischen den Zeilen des Films lesen, dass Kummer auch eine Erfindung einer Reihe von Männern in ehrenwerten Redaktionsstuben war. (nach: sueddeutsche.de; spiegel.de)

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Miklós Gimes
Filip Zumbrunn
Miklós Gimes

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