"Batman vs. Superman": Wenn's Superhelden krachen lassen

batman-vs-superman.jpgWarner Bros.
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Wenn ein zorniger Superman im Zweikampf zuschlägt, bleibt eigentlich nur noch eine undefinierbare Biomasse übrig, sollte  man glauben, doch die menschliche Fledermaus hat einige technische Tricks auf Lager, um die Superfäuste zu entkräften. Warum wollen sich die beiden überhaupt miteinander prügeln? Ich will hier nicht zu viel verraten – nur so viel: irgendein Grund findet sich immer, Hauptsache, die dabei entstehenden Kollateralschäden sind entsprechend hoch.

Zack Snyder vs. Michael Bay

Zack Snyder wird als Regisseur immer mehr zu einem zweiten Michael Bay, indem er sich dessen inszenatorischen Unarten zu eigen macht: die Vorliebe für pure Effekthascherei, neben der die Handlung zu kurz kommt; sowie die Unfähigkeit, zu erkennen, wann endlich Schluss sein sollte. Sobald man glaubt, jetzt hat’s endlich genug gekracht und der Abspann kann beginnen, kommt noch eine größere Katastrophe auf uns zu und der Ka-Wumm-Effekt vervielfacht sich in den restlichen 30 Minuten.

Ben Affleck vs. Henry Cavill

An den beiden Hauptdarstellern ist jedenfalls nichts auszusetzen: Henry Cavill passt  als superkräftiger Weltraumfindling erneut perfekt in die Rolle, und Ben Affleck gibt hier einen überzeugenden Einstand als Mann im Fledermauskostüm, das er sich im Lauf der nächsten Jahre noch mehrfach überstreifen wird. Butler Alfred ist hingegen gewöhnungsbedürftig: Jeremy Irons hat so gar nichts Dienerhaftes an sich, weder im Outfit noch im Auftreten, und benimmt sich eher wie ein älterer Bruder seines Arbeitgebers. Man sehnt richtig Michael Caine herbei. Übrigens erfahren wir auch, wie ein junger langhaariger Lex Luthor zu seiner markanten Glatze gekommen ist, wobei Jesse Eisenberg seine Rolle so übertrieben durchgeknallt  anlegt, als könnte er sich nicht entscheiden, ob er den skrupellosen Milliardär Luthor oder nicht doch lieber gleich den Joker spielen möchte.

Gotham vs. Metropolis

Das Problem,  warum diese Zusammenkoppelung zu einem so unbefriedigenden Ergebnis führt,  ist schnell benannt:  Zwischen dem düsteren Gotham und dem lichtdurchfluteten Metropolis liegen Welten. Batmans Name steht mehr für Detektivgeschichten im Film Noir-Stil und Supermans Welt ist  eindeutig die der Science Fiction. Die Vermischung der Genres führt zu einem Interessenskonflikt beim Publikum, denn  wer exzentrische Verbrecher im Stil von Pinguin oder Riddler  mag, schätzt nicht unbedingt  Gefahren aus dem All. Darum sollte man die beiden Figuren auch weiterhin getrennte Wege gehen lassen. Davon kann allerdings keine Rede sein, denn in Zukunft ist eindeutig Teamwork angesagt.

Prequel vs. Sequel

Darum packt das Drehbuch zu „Batman vs. Superman“ einfach viel zu viel in einen Film, weil es schon auf diverse Sequels und Prequels hinarbeitet. Um zu beweisen, dass auch D.C. Comics mit den Konkurrenzhelden „The Avengers“ aus dem Hause Marvel mithalten können, wird hier in Gestalt der feschen Gal Gadot (Miss Israel von 2004) eine weibliche Superheldin eingeführt. Das ergibt den Auftakt zu mindestens zwei weiteren Filmen, in denen Batman und Superman unter Snyders Regie gemeinsame Sache machen: „Justice League Teil 1“ (2017) und „Teil 2“ (2019), sowie als Auskopplung „Wonder Woman“ (2017), in der die Vorgeschichte dieser speziellen Frau erzählt wird. Keine verlockenden Aussichten somit, weil alles wie gehabt weitergehen wird, bei dieser urtypisch klotzigen amerikanischen Art des Filmemachens. Bombastisch, pathetisch, überladen, gründlich humorbefreit und gnadenlos lang.

Wenn der Erfolg eines Films jedoch an Megatonnen Sprengkraft bemessen würde, die im Lauf der Spielzeit hochgehen, wäre „Batman vs. Superman“ eindeutig ein Spitzenreiter.

6 von 10 hochgewuchteten Punkten aus Stahl.

franco schedl

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Batman vs. Superman: Dawn of Justice

Batman vs. Superman: Dawn of Justice

USA 2016
Fantasy, Abenteuer, Action
23.03.2016
Zack Snyder
Sobald sich zwei Giganten mit allen Mitteln bekriegen, hat die Menschheit keine guten Aussichten.
7.40

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