Bevor es Nacht wird

 USA 2000

Before Night Falls

Drama, Biografie 132 min.
7.30
Bevor es Nacht wird

"Bevor es Nacht wird" erzählt die bewegte Lebensgeschichte des kubanischen Schriftstellers Reinaldo Arenas und dessen Suche nach künstlerischer, politischer und sexueller Freiheit.

Before Night Falls beruht auf dem Leben des kubanischen Romanschriftstellers Reinaldo Arenas, der 1943 in der Provinz Oriente geboren wurde und 1990 im Exil in New York City den Freitod wählte. Der Film kontrastiert die frühen Jahre seiner Kindheit in absoluter Armut und Freiheit mit den Greueln und Schwierigkeiten, mit denen er als zensurierter und verfolgter Autor und Homosexueller in Castros Kuba konfrontiert war.

Mit 14 wurde Reinaldo Arenas von der Revolution mitgerissen und kam in den Genuß des Regierungsprogramms zur Erziehung und Ausbildung der Jugend. Mit 20 veröffentlichte er seine erste Novelle, Celestino antes del alba ( Singing from the Well ) die bei einem nationalen Literaturwettbewerb ausgezeichnet wurde. Es blieb das einzige Buch, das er in seiner Heimat publizierte. Acht weitere Romane, Kurzgeschichten und Gedichte erschienen allesamt im Ausland und waren in Kuba verboten. Seine zweite Erzählung, El mundo alucinante ( Hallucinations ) [ Wahnwitzige Welt ] fiel unter die Zensur und wurde nach Frankreich geschmuggelt, wo sie 1969 einen Preis als bester ausländischer Roman gewann. Arenas war einer der wenigen in Kuba lebenden kubanischen Autoren, die ohne Erlaubnis der Revolutionsregierung außerhalb Kubas publizierten. Es machte ihn umgehend zu einem Flüchtling in seiner Heimat.

1973 wurde er verhaftet, seine Arbeit wurde konfisziert, er selbst in das berüchtigte Gefängnis El Morro gesteckt. Dort überlebte er zwei Jahre lang unter gewöhnlichen, nicht unter politischen Gefangenen, indem er Briefe an die Frauen und Liebsten seiner Mitinsassen schrieb.

Im Mai 1980 erlaubte Castro jedem, der homosexuell oder geisteskrank war oder eine Haftstrafe abgebüßt hatte, aus Kuba auszureisen. Arenas war einer von 250.00 Kubanern, die beim sogenannten Mariel Harbour Boatlift das Land verließen.

Er fand in den Vereinigten Staaten kein Paradies vor. Vielleicht existiert die Art von Freiheit, die er suchte, nirgendwo. Der Film umspannt Reinaldos Leben, seine Hoffnungen und letztendlich seine Desillusionierung hinsichtlich der kubanischen Revolution. Reinaldo Arenas starb 1990 in New York. Drei Jahre später erschien seine Autobiographie Antes que anochezca [ Bevor es Nacht wird ] unter dem Titel Before Night Falls auf englisch und wurde von der New York Times Book Review unter die zehn besten Büchern des Jahres 1993 gereiht.

(Julian Schnabel, New York 2000)

Details

Javier Bardem, Olivier Martinez, Andrea di Stefano, Johnny Depp, Sean Penn, Michael Wincott, NajwaNimri, Hector Babenco
Julian Schnabel
Carter Burwell, Laurie Anderson, Lou Reed, Ennio Morricone ¿The Surrounding Casbah¿, Gustav Mahler ¿Adagio der 5. Symph.
Xavier Pérez Grobet, Guillermo Rosas
Cunningham O¿Keefe, Lázaro Gómez Carriles, Julian Schnabel

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Der schwule Dichter
    Der kubanische Schriftsteller Reinaldo Arenas ist nicht einer, der einem bisher sofort eingefallen ist, wenn man von Literatur redete. Doch nach dem Film von Julian Schnabel, der Arenas Autobiographie in beeindruckende Bilder umgesetzt hat, vergisst man ihn nicht mehr so schnell. Dass die Literaten nicht immer die Freunde von Diktatoren waren, ist bekannt, weil den Machthabern (hier Fidel Castro) nicht immer gefallen hat, was die so geschrieben haben. Wenn dann noch Homosexualität mit ins Spiel kommt, ist man verloren. Um zu überleben bleibt dann nur noch nach außen als angepasster Konformist zu erscheinen, seine homosexuellen Neigungen zu leugnen und in die innere Immigration zu gehen. Javier Bardem beeindruckt wie immer und Johnny Depp überrascht in einer schier unglaublichen Doppelrolle. Auch den Unterschied zwischen Kommunismus und Kapitalismus macht Arenas deutlich: „Wenn man dir im Kommunismus in den Arsch tritt, muss du applaudieren, wenn man das im Kapitalismus tut, darfst du wenigstens schreien!“ Mit dem Titel des Romans wollte uns Arenas wohl darauf hinweisen, dass er uns noch alles Wichtige vor seinem Tode mitteilen muss, alles, was sein Leben zu einem Drama hat werden lassen.

  • Poesie
    Dieser Film erzählt nicht nur über das Leben eines Poeten, er ist selbst Poesie.
    Stimmungsbilder einer lebenslangen Suche nach Freiheit, ungenierte, aber nie aufdringliche Homoerotik und ein Gefühl kubanischer Lebensart verschmelzen zu einem cineastischen Gedicht, das auch noch Platz lässt, um zwischen den Zeilen zu lesen. Ein Film, der motiviert, kreativ zu werden und um die Verwirklichung seiner Träume zu kämpfen.
    Leider - aber wie das Leben eben schreibt - mit einem traurigen Ende.