Dem Himmel so fern

Far From Heaven

USA, F, 2002

Drama

Eine amerikanische Musterfamilie der 1950er Jahre zerbricht an ihren Widersprüchen.

Min.107

Es war einmal eine Zeit, als die kleinen Mädchen später einmal schön wie ihre Mama sein wollten. Als die Frauen über gestärkten Röcken und Petticoats zur Hausarbeit adrette Schürzchen trugen und die Männer nach Büroschluss am Abendessenstisch den Kleinfamilienvorsitz übernahmen. Man kennt diese Zeit, die 50er Jahre, als Inbegriff von Muffigkeit und tätiger Verdrängung, man macht sich zumindest ein Bild davon im Kino, in Coffeetable-Books oder alten TV-Programmen. Todd Haynes hat seinen neuen Film in dieser Zeit und diesem Ambiente angesiedelt. Far from Heaven beginnt als detailgetreue Rekonstruktion von Bildern, wie man sie etwa aus den Melodramen Douglas Sirks erinnert, entwirft zunächst einen übersichtlichen Mikrokosmos, in dessen Kleinstadtheimeligkeit alles seinen Preis und seine Ordnung hat. Aber wenn das perfekt dekorierte Puppenhaus, der gepflegte, herbstlich gefärbte Garten, die artigen Kinder und ihre zuvorkommenden Eltern gerade anfangen, arg artifiziell zu wirken, und das Ganze in ein reines Vorführen detailbesessener Ausstattungskunst zu kippen droht, werden die Oberflächen plötzlich durchlässig für das, was in den Filmen jener Zeit meist nur implizit und verschlüsselt zu sehen war. Cathy, treu sorgende Ehefrau und Haushaltsmanagerin, eine Frau, die in jeder Situation weiß, was zu tun ist, und die diese Fähigkeit nicht zuletzt dem Umstand verdankt, dass hier alles in genau geregelten Bahnen verläuft, bringt ihrem hart arbeitenden Mann Frank spät nachts das Essen ins Büro. Sie überrascht Frank in einer intimen Situation - allerdings nicht mit einer anderen Frau, sondern in den Armen eines Mannes. Dieser unmöglichen Beziehung, diesem diskriminierten Begehren stellt Haynes noch ein zweites gegenüber: Cathys Freundschaft zu ihrem schwarzen Gärtner Raymond stellt für den Kleinstadtverbund eine noch größere Bedrohung dar. Das ist die Lektion, die Cathy und das Publikum lernen werden. Und zugleich ist es für letzteres die schönste Lektion, die ihm im Kino seit langem erteilt wurde. (Isabella Reicher)

IMDb: 7.4

  • Schauspieler:Julianne Moore, Dennis Quaid, Dennis Haysbert, Patricia Clarkson

  • Regie:Todd Haynes

  • Kamera:Ed Lachman

  • Autor:Todd Haynes

  • Musik:Elmer Bernstein

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