Der gläserne Blick

 Österreich/Deutschland 2003
Drama 88 min.
film.at poster

Ein Kriminalfilm, der nicht an Wahrheit glaubt und zu einer poetisch-mysteriösen Reise gerät.

Die portugiesische Küste, westlich von Lissabon. Eine männliche Leiche wird ans Ufer geschwemmt. In einem in der Nähe abgestellten Auto entdeckt Pinto, der Kommissar, eine Videokamera. Das Band zeigt eine junge Frau, die offenbar heimlich gefilmt wurde. Pinto findet die Frau es ist eine Musikstudentin aus Wien, die behauptet, nichts mit dem Tod des Mannes zu tun zu haben. Hinter ihren Erklärungen tauchen neue Rätsel auf. Welches Spiel spielte Hans, der tote Archäologe, mit ihr? Was ist mit dem jungen Portugiesen passiert, der mit ihr auf dem Video zu sehen ist? Und was haben die beiden anderen Frauen, die auch von Hans gefilmt wurden, mit der Geschichte zu tun? Zug um Zug führt Pinto die Fakten zusammen, doch möglicherweise existiert die Struktur, die er dahinter zu entdecken glaubt, nur in seinem Kopf. Was ist die Wahrheit? Oder sollte diese Frage anders gestellt werden gibt es sie überhaupt, «die Wahrheit»? Neben dem realen Lissabon gibt es auch das imaginäre Lissabon. In der realen Stadt hasten die Menschen zur Arbeit, stellen sich an Bushaltestellen an, unterhalten sich in den Bars, gebären Kinder oder sterben. Im imaginären Lissabon stirbt niemand. Da sitzen die heimgekehrten Seefahrer in den Hafenbars und nippen am Porto Branco. Álvaro de Campos zieht den Hut vor Ricardo Reiz, wenn er ihn am Largo de São Carlos trifft. Und die Könige aus fernen Jahrhunderten heiraten die Skelette ihrer Geliebten, die von ihren Vorfahren gemeuchelt wurden. Ein Kinosaal ist Jahr und Tag für die Filme Robert Bressons reserviert, während in einem anderen Saal ein unsichtbarer Film läuft. Kommissare brechen in ihre ehemalige Wohnung ein, um den Schlaf ihrer Tochter zu beobachten. Einsame Männer versuchen mittels heimlicher Videoaufnahmen die Wiedergeburt ihres Glücks zu erzwingen. Und Frauen mit geheimnisvollen Augen sind für die Person, die sie lieben, zu jedem Abenteuer bereit. Sie werden sich fragen, wo treffen diese beiden Städte, das reale Lissabon und das imaginäre Lissabon, aufeinander? Ich vermute, irgendwo am Rio Tejo, vielleicht in einer kapverdischen Bar, wo die Geliebte mit einem alles wissenden, alles verzeihenden Lächeln auf ihren undurchsichtigen Liebhaber wartet. (Markus Heltschl)
Altersempfehlung: ab 12

Details

Sylvie Testud, Miguel Guilherme, Klaus Pohl
Markus Heltschl
Michael Galasso, Anouar Brahem, Arnold Schönberg
Christian Berger
Markus Heltschl

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • fado aber nicht fade
    daß portugal schön ist, wissen alle, die schon an der algave urlaub gemacht haben, doch regisseur und autor markus heltschl hat hier eine liebeserklärung an portugal und lissabon geschaffen.
    die handlung des filmes baut sich an einem verbrechen auf, doch die bilder vom kameramann michael berger umspannen ein szenario zwischen berauschender naturlandschaft, finsterer einsamkeit einer großstadt und seelischen tiefständen.
    ein polizist, der dem klischee von zerbrochener beziehung und gestörter bindefähigkeit gut entspricht, läßt sich von einer gar nicht so zufällligen verdächtigen nicht hinters licht führen und nach einigen anflügen von brutalität klärt er das verbrechen zwar auf, die lösung des falles ist aber auch für ihn nicht befriedigend. liebe ist halt ein stärkeres motiv als geld, aber mitunter ein tödliches.
    die hauptdarsteller sylvie testud und miguel guilherme sind hierzulande unbekannt, haben sich aber gut auf ihre rollen eingestellt. der kommissar wirkt leicht melancholisch, er hat das wesen eines fadosängers, das mädchen unnahbar und verschlossen, mehr wissend als sie sagt, aber sehr geheimnisumwittert.
    die idee die dialoge in mehreren sprachen, hauptsächlich aber in portugiesisch und englisch zu führen, ist zu verwirrend, weniger, im idealfall nur die landessprache, wäre sicherlich mehr gewesen.
    fazit: für alle, die fado und portugal mögen.