Der Kick

 Deutschland 2006
Drama, Krimi 82 min.
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In der Nacht zum 13. Juli 2002 misshandeln die Jugendlichen Marco und Marcel Schönfeld sowie ihr Freund Sebastian Fink den 16-jährigen Marinus Schöberl. Täter und Opfer kennen sich. Sie kommen aus Potzlow, einem Dorf 60 Kilometer nördlich von Berlin. Die rechtsradikalen Täter schlagen über Stunden hinweg auf den Jungen ein. Marcel tötet sein Opfer schließlich durch einen Sprung auf den Hinterkopf. Die Täter vergraben die Leiche in einer Jauchegrube. Monate später werden die Überreste von Marinus Schöberl gefunden. Andres Veiel und die Dramaturgin Gesine Schmidt haben sich über Monate auf Spurensuche nach Potzlow begeben. Sie sprachen mit den Tätern, Dorfbewohnern, Angehörigen von Opfer und Tätern und studierten Verhörprotokolle, Plädoyers und Urteil des Gerichtsprozesses. Aus diesen Gesprächen hat Andres Veiel ein filmisches Protokoll für zwei Schauspieler entwickelt. Wie bei der vorangegangenen Bühneninszenierung des Textes am Maxim-Gorki-Theater Berlin haben bei dessen filmischer Adaption Susanne-Marie Wrage und Markus Lerch sämtliche Sprechrollen übernommen. Susanne-Marie Wrage und Markus Lerch schlüpfen mit beeindruckender Intensität in die rund zwanzig Rollen, teils auch ins jeweils andere Geschlecht. Eine Verkleidung findet nicht statt, Wrage und Lerch sehen äußerlich immer sehr ähnlich aus. Auch in puncto Ausstattung gibt sich Der Kick bewusst spartanisch: Agiert wird in einer bis auf einen Container mit großer Fensterfront und eine Bank absolut leeren Fabrikhalle, die mal Gaststätte, Stall, Gericht oder auch Kirche symbolisiert. Einzig ein paar Spiele mit Licht und Zoom, aber vor allem Mimik und Duktus der beiden bestechenden Mimen verdeutlichen den jeweiligen Rollenwechsel. Nach und nach entsteht beim Betrachter das bedrückende Bild einer Gesellschaft, die für Alarmzeichen blind ist. (Oliver Renn)

(Text: Viennale 2006)

Details

Susanne-Marie Wrage, Markus Lerch
Andreas Veiel
Jörg Jeshel, Henning Brümmer
Andres Veiel, Gesine Schmidt

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • {{{ SELECTION }}}
    Von Andreas Veiel kenne ich bisher nur Dokumentarfilme. Obwohl es sich hier um einen Spielfilm handelt, stellt die sehr reduzierte Spielhandlung nur die Annäherung an das dar, was sich nicht so ohne weiteres rein dokumentarisch darlegen lässt: Wie kann es passieren, dass ein paar Halbwüchsige einen Gleichaltrigen nur so zum Spaß töten? Klingt nach einem ernsthaft beunruhigendem Film.
    Aber gerade solche Filme sind sowohl eindrucksvoll als auch wichtig, wenn auch ziemlich sicher gerade die, die es angehen sollte, diesen Film kaum jemals zu sehen bekommen werden.