Die Halbstarken

 BRD 1956
Drama, Kultfilme 97 min.
6.70
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DIE HALBSTARKEN zählte zu den größten kommerziellen Erfolgen des deutschen Nachkriegskinos, sein Star Horst Buchholz galt als die deutsche Antwort auf James Dean.

Buchholz spielt den charismatischen Freddy, der von zu Hause abgehauen ist, um seinem kleinbürgerlichen Vater und dessen tyrannischem Haushalt zu entkommen. Er lebt bei seiner 15-jährigen Freundin, der Teenage-Femme-Fatale Sissy (Karin Baabpund kommandiert eine kleinkriminelle Gang, mit der er den großen Coup landen will. Freddy verspricht Sissy "Villa, Pelzmäntel, Brillanten", doch natürlich winkt am Ende nicht die Villa, sondern die Besserungsanstalt. Für Jürgen Felix liest sich die Moral der Geschichte so: "Mit dem Thema der Jugendkriminalität verhandeln DIE HALBSTARKEN zugleich die Selbstbehauptung der westdeutschen Vätergesellschaft - gegenüber der sich anbahnenden alternativen Jugendkultur und der fortschreitenden Amerikanisierung der Bundesrepublik." Doch einfach macht sich Tressler seine angebliche Parteinahme für die deutsche Arbeitsmoral und gegen eine hedonistische Jugendkultur nicht: Die Boogie-Woogie-Szene in der Espresso-Bar ist von anarchischer Freude, die Jungs sind cool, die Mädchen lässig. Als eine Platte in die Jukebox gerät, die Marschmusik enthält, wird sie ausgebuht. Dass die Rock 'n' Roll tanzende Jugend, bei aller Neigung zur Delinquenz, eine bei weitem sympathischere ist als eine - wie zuvor die Vätergeneration - marschierende Jugend, diese Bemerkung kann sich Tressler nicht verkneifen. (filmmuseum)

Details

Horst Buchholz, Karin Baal, Christian Doermer, Jo Herbst, Viktoria von Ballaski, Stanislav Ledinek, Mario Ahrens
Georg Tressler
Martin Böttcher
Heinz Pehlke
Will Tremper, Georg Tressler; nach einer Erzählung von Will Tremper

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Freddy, Jan und Sissy
    Der Titel war in der Sprache der Eltern der damaligen Jugendlichen negativ besetzt, eher ein Schimpfwort also. So ist der Film für die Älteren ein Denkmal der Erinnerung, für die Jüngeren echt gutes Anschauungsmaterial der 50er Jahre. Die Atmo und die Sprache sind authentisch, neben Kaugummi, Buick, Jazzmusik, Lederkleidung und der Schmalztolle. Die Jungs waren schon total cool, die Mädels äußerst kess. Alle riskierten eine lockere, rotzfreche Lippe und fühlten sich von einem autoritären Elternhaus unterdrückt. Im Zentrum stehen zwei unterschiedliche Brüder (Horst Buchholz und Christian Doermer), neben Karin Baal, die schon recht emanzipiert daherkommt. Es geht um Machtstrukturen innerhalb einer kleinen Jugendgang. Ein Coup misslingt und wir erleben einen fatalen und unerwarteten Schluss. Das ist gleichzeitig der Höhepunkt des Films. Die Folgen der Tat sind nicht von Interesse. Wichtiger sind eher die Darstellung der Entwicklung und die Voraussetzung, die zu diesem Weg in die Sackgasse führten. Es sind die Anfänge einer Gegenkultur der Jugend gegen Welt der Alten. Sie setzte sich durch Kleidung, Sprache und Habitus von ihnen ab, obwohl sie letztendlich doch von den gleichen Zielen träumt: einem Leben im Wohlstand mit Frau und Kindern. Für manchen Kult! Das Remake ist dagegen überflüssig wie ein Kropf. KV!

  • Die Halbstarken
    Er ist bis heute ein Schwarzweiß-Film, an den ich mich lebhaft erinnern kann: zwar hat er nicht jenen Mythos wie Der dritte Mann erzielen können, aber dennoch geben Die Halbstarken die damals in der BRD herrschende Stimmung wider. Insofern ähneln sich die beiden Filme in einer historischen Sichtweise.