Die Invasion der Barbaren

 CAN/F 2003

Les invasions barbares

Independent, Tragikomödie 19.03.2004 113 min.
7.70
Die Invasion der Barbaren

Der Geschichtsprofessor und Sozialist Rémy liegt im Sterben und versammelt seine Familie und Freunde um sein Krankenbett.

17 Jahre nach dem Meisterwerk "Der Untergang des amerikanischen Imperiums" versammelt Regiezauberer Denys Arcand seine damaligen Helden erneut vor der Kamera - und sie erweisen sich zwar als alternde, dennoch überaus virile Herrschaften.

Weil der ehemalige Geschichtsprofessor und Sozialist Rémy demnächst den Folgen seiner Krankheit erliegen wird, eilen der ignorante Yuppie-Sohn Sébastien, sowie Exfrau und Exgeliebte an dessen Krankenbett. Sébastien, vom Vater "Prinz der Barbaren" genannt, zieht sich ob seines kapitalistischen Lebenswandels zwar täglich dessen Schimpftiraden zu, ermöglicht Rémy jedoch durch die Beschaffung einer täglichen Heroin-Dosis und anderer Annehmlichkeiten einen entspannten Abgang.

Arcands zwerchfellerschütternde und dennoch zu Herzen gehende Familienfabel ist Weltgeschichte "put in a nutshell".

Details

Rémy Girard, Stéphane Rousseau, Marie-Josée Croze, Marina Hands, Dorothée Berryman, Johanne Marie Tremblay, Pierre Curzi
Denys Arcand
Pierre Aviat
Guy Dufaux
Denys Arcand
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Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Freundeskreis am Sterbebett
    Ähnlich wie beim Titel des ersten Teils fragt man sich, was der hier mit dem Film eigentlich zu tun hat. Familie und Freunde versammeln sich am Sterbebett das todkranken Rémy Girard, der in seinen besten Zeiten Womanizer und Professor war, aber auch Ehemann und Vater. Die geistige Elite philosophiert über Gott und die Welt. Man redet über die –Ismen des 20. Jahrhunderts und über gesellschaftliche Größen aus dem Pop- und Showgeschäft (Francois Hardy, Julie Christie u.a.) ebenso selbstverständlich wie über Plato und Aristoteles. Dabei ist man sich einig, dass die Intelligenz verschwunden ist und heute nur noch ‘Barbaren‘ ihr Unwesen treiben (siehe Titel!). Einer sagt ‘Man kann sein Leben doch nicht auf den Texten von Schlagern aufbauen.‘ Ganz nebenbei werden familiäre Unebenheiten an die Oberfläche gespült, eine Vater-Sohn Problematik aufgedeckt. Und ganz locker über Sex geredet (‘Ihre Titten sind größer als ihr Hirn‘). Wie bei den 68ern nicht unüblich, besorgt der Sohn Sébastien (Stephane Rousseau) dem Vater gegen die Schmerzen Heroin.
    Selbst als es mit Rémy zu Ende geht, kommen keine Sentimentalitäten auf, wegen des geistigen Überbaus des Intellektualismus‘, der auf dem ganzen Geschehen liegt. Was nicht ausschließt, dass Emotionen doch kurz aufblitzen. Aber die allgemeine Gemengelage ist voll von geistreicher Ironie und makabrem Witz. Und als Beweis, dass die Herzen noch nicht ganz tot sind, gibt es am Ende noch kurze Gefühlsausbrüche mit wunderschönen Bildern. Anspruchsvolle Unterhaltung auf hohem Niveau.

  • Recht gut aber...
    ich finde es schade, dass auch dieser Film uns beweist, dass Geld zwar nicht glücklich macht, aber es erleichtert uns das Leben (und das Sterben).

  • Naja...
    Zuerst das Gute: Dieser Film konzentriert sich sehr auf seine Schauspieler und die sind gut.

    Leider ist der Inhalt zu uninteressant und erschöpft sich oft in unnötigem Gerede. Bis zur Hälfte des Films wartet man die ganze Zeit, daß mal etwas Interessantes und wirklich Wesentliches zum Thema Leben und Sterben gesagt wird. Eine Clique redseliger Menschen auf einem Haufen allein ist zu wenig, dafür kann ich auch bei Nachbars Party vorbeischauen.

    Aber einen wirklich schockierend-berührenden Moment gibt es in dem Film, in einer kleinen Nebenszene - etwas, was in dieser Intensität wohl nur im Kino fühlbar wird. Und zwar ist das der Einschlag des zweiten Flugzeugs in das World Trade Center am 11. September 2001, - im Film kurz als Hintergrund im Fernsehen sichtbar. Hier wird die Gewalt des Anschlags spürbar.

    Leider, muß man sagen, gibt es im Rest des Films keine ähnlich an die Nieren gehenden Momente.

  • Hoffnung, Liebe, Tod
    Ein unglaublich bewegender Film, der uns in seinen einfachen Bildern sehr zu berühren vermag.
    Wenn man am Ende steht, was zählt da noch und welche Fragen stellt man sich da?
    Der Film zeigt, das Menschlichkeit und das manchmal auch nicht ganz ehrliche Erfüllen von Bedürfnissen eines im Sterben liegenden, das Ende leichter akzeptierbar machen und zwar für alle Beteiligten. Der Film regt sehr zum Nachdenken an und das nicht nur für den Moment wenn man aus dem Kino geht.

  • L'amitié
    Die schönsten Momente hat dieser Film gegen Ende, wenn´s stiller und ruhiger wird, weil Remy stirbt. Bis dahin vergeht kaum eine Szene, in der nicht geredet wird. Ein bisschen mehr Ruhe hätte dem Film gut getan - und ein paar Dialogzeilen weniger. Interessant ist der Film vor allem dort, wo´s um´s Sterben geht: um den (nie entdeckten) Sinn des Lebens, das Bewusstsein etwas zum letzten Mal zu tun, ...
    Wunderbare Schauspieler in einem bewegenden Film, der zu Recht in Cannes für das Drehbuch und die Hauptdarstellerin (die Giftlerin Nathalie) ausgezeichnet wurde - und mit einem Oscar für den besten ausländischen Film.
    Der traumhaft schöne Chanson am Filmende stammt übrigens von Francoise Hardy: "L'amitié"