Elephant

 USA 2003

Elephant

Drama 81 min.
7.20
film.at poster

An einem ganz normalen Schultag dringen zwei Jungs mit Waffen die High School von Columbine ein.

Gus Van Sants Elephant, eine Art Bowling for Columbine ohne Besserwisserei, ist eine der eindringlichsten Darstellungen von schulischer Gewalt seit Jahren und gleichzeitig von einer beiläufigen Poesie wie die Fotografien von William Egglestone.

Van Sant erzählt von einem ganz normalen Tag an einer amerikanischen High School, der in einem Blutbad endet, als zwei Jungs mit Waffen ins Gebäude eindringen. Da man ahnt, was passieren wird, laden sich die Bilder vom Schulalltag mit einer immer unerträglicheren Spannung auf. Zum einen, weil man lange nicht weiß, wer Opfer und wer Täter sein wird, zum anderen, weil sich die Wege der Schüler nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich überschneiden. In langen Einstellungen folgt ihnen die Kamera über den Campus und durch die Schule, und an den Schnittpunkten sieht man dasselbe Geschehen aus verschiedenen Perspektiven. Diese in letzter Zeit etwas strapazierte Erzählmethode gewinnt in Elephant eine neue Kraft, indem sie das Bild der sich kreuzenden Schicksale in jene schreckliche Banalität überführt, die im Katastrophenfall so eine fatale Schwerkraft erlangt.

Den Titel hat Gus Van Sant übrigens einem Dokumentarfilm des Briten Alan Clarke über Nordirland entlehnt. Er dachte, er bezöge sich auf die buddhistische Geschichte von den Blinden, die jeweils verschiedene Teile des Elefanten zu fassen kriegen, den Rüssel, ein Ohr, ein Bein, und daraus auf die wahre Natur des Tieres schließen zu können glauben. Erst später erfuhr Van Sant, dass Clarke seinen Film so genannt hat, weil er von einem Problem handle, das so schwer zu übersehen sei wie ein Elefant in einem Wohnzimmer. So oder so ist Elephant ein filmischer Schock.

(Michael Althen - Viennale 2003)

Details

Alex Frost, Eric Deulen, John Robinson, Elias McConnell, Jordan Taylor, Carrie Finkela, Nicole George, Brittany Mountain
Gus Van Sant
Harris Savides
Gus Van Sant
Stadtkino Filmverleih Wien

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Ein großer, mutiger Film
    Was Gus van Sant hier macht, liegt offensichtlich und präzise auf der Leinwand. Er bildet einen tragischen Tag an einer amerikanischen Highschool in aller Genauigkeit ab. In langen, traumhaften Tracking Shots verfolgt die Kamera die einzelnen Charaktere durch ihren Alltag. Als das Drama dann passiert, wird es nicht bewertet, es werden keine Erklärungen gesucht und keine Lösungen gefunden. Van Sants Regie ist außerordentlich mutig und tritt in keine Fallen, die diese Story liefern könnte. Nach dem Film ist man so schlau wie man es vorher war. Antworten muss man jetzt selber finden.

  • Was ist genau dran?
    Ich habe mich wirklich auf diesen Film gefreut. Allerdings mußte ich feststellen, dass der Film voll von naiven Klischees ist und die tatsächlich viel zu häufig strapazierte Erzählweise in eine unerträgliche Langeweile mündet.
    Die filmische Dichte war meiner Meinung nach nicht vorhanden und die Aufnahme mit dem Jungen, der vor der Schule andere Jugendliche warnte, hineinzugehen bzw. die Duschszene war unrealistisch bzw. lächerlich.
    Ich lasse mich gerne etwas besseres belehren und stelle hier die Frage: Was ist an diesem Film so gut(neben dem Grundthema), dass er die Goldene Palme in Cannes gewonnen hat?

    Re: Was ist genau dran?
    Muss mich dir voll und ganz anschließen. Das Thema wird hier total verschenkt. Unglaublich langatmige Sequenzen, wo die Darsteller durch eine riesengroße Schule gehen, während in dieser riesen Schule aber kaum Leute zu sehen sind. Nicht mal bei den Schußszenen am Schluß sind viele Leute zu sehen. Waren nicht mehr Komparsen im Budget vorgesehen? Das wirkte schrecklich unrealistisch! Sehr klischeehaft auch die Attentäter, wo ja vor allem der eine sooo sensibel und künstlerisch begabt ist... Der Amoklauf wirkte so was von unmotiviert. Also der Film hatte wirklich nicht viel mehr zu bieten als einen interessanten Grundgedanken und ein paar hübsche Gesichter.