Schlusslichter

 F 2003

Feux rouges

Drama, Krimi 04.02.2005 106 min.
film.at poster

Ein Psychodrama nach Simenon: Die Fahrt in die Ferien wird für den Versicherungsvertreter Antoine und seiner Frau Hélène zum Schreckerlebnis.

Feux Rouges nach dem gleichnamigen Buch von Simenon ist ein kriminalistisches Beziehungsdrama voll höchster Spannung, alltäglichem Horror und hitchcockartigen Überraschungen und Wendungen. Die Reise des Versicherungsvertreters Antoine und seiner Frau Hélène großartig gespielt von Jean-Pierre Darrousin und Carole Bouquet ins Ferienwochenende, beginnt mit dem lauen Ekel einer überlebten Beziehung und endet im Albtraum. Oder war alles anders? Frau fährt, Mann träumt?

Ein frustrierter Versicherungsangestellter und eine erfolgreiche Anwältin. Ihre Ehe ist vom Mehltau befallen, hier ist die Routine die Quelle des Horrors. Er trinkt erst ein paar Bier, dann ein paar doppelte Whiskeys; sie steigt unterwegs aus und nimmt den Zug. Der Frust steht ihm ins Gesicht geschrieben, die Schultern hängen, sein Gesicht gleicht einer Landschaft, die immer mehr verwüstet.

Cédric Kahns Simenon-Verfilmung Feux rouges hat von den ersten Einstellungen an ein Flair des Unwirklichen: die Blicke aus der Vogelperspektive auf die Bürostadtwelt von La Défense, die wie ein Arrangement überdimensionaler geometrischer Formen aussieht, die Bilder der Nacht, in denen die Farben so wunderbar wie auf einem Aquarell ineinanderfließen, das unwirkliche Weiß des Krankenhauses, vor dem das blaue Hemd des Mannes geradezu explodiert wie die Verzweiflung, mit der er seine Frau sucht, die nicht am Bestimmungsort des Zuges angekommen ist. Beiden ist etwas Schreckliches geschehen, und wie ein Taschenspielertrick des Schicksals wirkt es, dass diese beiden Schreckenserlebnisse zusammenhängen. (Peter Körte)

(Text: Viennale 2004)

Details

Jean-Pierre Darroussin (Antoine), Carole Bouquet (Hélène), Vincent Deniard (Tramper), Charline Paul (Kellnerin), Jean-Pierre Gos (Inspektor)
Cedric Kahn
Claude Debussy
Patrick Blossier
Cédric Kahn, Laurence Ferreira-Barbosa nach dem gleichnamigen Roman von Georges Simenon
Stadtkino

Kritiken

Kinoprogramm

Es sind uns keine Vorstellungen bekannt.

Film bewerten

0

User Kritiken

  • Das Beste
    Für mich ist dieser Film das Beste, was derzeit in österreichischen Kinos zu sehen ist.
    Ein Genrefilm, der seine Grenzen ständig überschreitet. Wo nahezu unerträgliche Spannung erzeugt wird, ohne dass auf die üblichen Hollywood-Tricks zurückgegriffen wird. Wo Schocks an Hitchcock erinnern und die Meisterschaft von Cédric Kahn erweisen. M. Night Shyamalan, erblasse vor Neid!
    Ein Tag, eine Nacht, und wieder ein Tag. Eine Reise in das Unbekannte und zu sich selbst. Ein Mann, der immer mehr Alkohol trinkt, zunächst heimlich, dann immer offensichtlicher, bis an die Grenze der Selbstzerstörung. Ein Tschechow-artiger Anti-Held, der die bedrückende Normalität seiner Existenz kaum mehr aushält. Der eine Frau und Kinder hat und den doch seine Einsamkeit fast umbringt.
    Jean-Pierre Darroussins grenzgängerische schauspielerische Leistung fällt dermaßen eindringlich aus, dass daneben alles andere, was gegenwärtig zu besichtigen ist, etwa DiCaprio in AVIATOR, verblassen muss. Und die schöne Carole Bouquet zeigt eine vereist-erstarrte Frau, deren Kälte sich nur mühsam hinter einem Mantel an oberflächlicher Freundlichkeit und Höflichkeit verbirgt.
    Dieser Film erzählt etwas über die Schwierigkeit, eine Ehe zu führen. Aber er zeigt auch die Verlassenheit leerer Bahnhöfe, die nächtlichen Landstraßen, die ins Nirgendwo zu führen scheinen, das Ausgeliefertsein des Menschen in der modernen Welt an bürokratische Apparate wie Krankenhäuser und Polizei. FEUX ROUGES zeigt etwas von der uns umgebenden Realität, ohne jedoch in platte Abbildlichkeit zu verfallen. Die offensichtlich im Studio mit Rückpro gedrehten Fahrszenen im Auto sind deshalb so wirksam, weil sie die Konzentration auf diese Situation des Eingeschlossenseins gestatten und mit den Außenaufnahmen hervorragend kontrastieren.
    Am Schluss eine Art Happy End. Doch es fällt schwer, daran zu glauben. Vielleicht nur die Ruhe vor dem Sturm in einem Alptraum, der kein Ende nehmen will.
    Momentan wird ja so getan, als wäre SIDEWAYS (der ein guter bis sehr guter Film ist und von der weitgehenden Belanglosigkeit des US-amerikanischen Kinos profitiert) ein unglaubliches Meisterwerk.
    Dass er das nicht ist, wird klar, wenn man FEUX ROUGES sieht, also einen Film, der in jeglicher Hinsicht weit gehen will, ohne auf Zuschauererwartungen allzu große Rücksicht zu nehmen.
    Ein großer europäischer Film, der einen nicht mehr loslässt, wenn man ihn gesehen hat. Ein Meisterwerk.
    Darf keinesfalls versäumt werden.

    Re:Das Beste
    gratuliere zu dieser tollen kritik! ich war gerade im film und kann nur jedes wort von scaramanga unterschreiben.

  • spannend
    Obwohl ich wusste, dass es ... ausgeht, war der Film, besonders in der 2. Hälfte ungemein spannend. Sehr zu empfehlen!