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Filmkritik
01/09/2019

"Glass": Spannender Showdown mit aufgesetztem Twist

M. Night Shyamalan liefert ein interessantes Finale seiner "Superhelden-Trilogie", bei dem der obligatorische Twist verzichtbar wäre.

von Erwin Schotzger

Im Filmuniversum von M. Night Shyamalan sind Superhelden nicht ganz so selbstverständlich wie in den Marvel-Filmen. Wer an ihre Existenz außerhalb von bunten Comic-Heften glaubt, ist ein Fall für die Klapse. Zumindest für Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson). Die Psychologin hat sich auf psychische Störungen spezialisiert, bei denen die Betroffenen davon überzeugt sind, Superkräfte zu besitzen. In einer geschlossenen Anstalt in Philadelphia behandelt sie ihren berühmtesten Patienten: Elijah Price (Samuel L. Jackson), den zerbrechlichen Bösewicht mit den Knochen aus Glas aus Shyamalans Mystery-Superhelden-Film "Unbreakable – Unzerbrechlich" (2000).

Elijah ist aufgrund der zahlreichen Sedativa die meiste Zeit apathisch. Doch gleich zu Beginn des Films bekommt Dr. Staple endlich Nachschub für ihre Theorien. Der als "Die Horde" bekannte Serienkiller Dennis, eine der 24 Persönlichkeiten von Kevin Wendell Crumb (James McAvoy), hat wie schon in "Split" (2016) wieder junge Frauen entführt, vier um genau zu sein. Doch David Dunn (Bruce Willis) spürt ihn auf. Der unzerbrechliche Held aus "Unbreakable" ist mittlerweile eine lokale Berühmtheit. In den Medien wird der mysteriöse Retter mit dem Regenponcho "The Overseer" genannt. Er befreit zwar die entführten Mädchen, wird aber selbst von der Polizei gefasst. Beide – Held und Schurke – werden in die geschlossene Anstalt von Dr. Staple eingeliefert.

Dort wird es dann interessant: Haben die beiden Neuzugänge tatsächlich Superkräfte? Oder sind sie einfach nur traumatisierte Opfer, die sich die Realität zurechtlegen, um darin zu überleben? Jedenfalls versucht die seltsam emotionslos wirkende Psychologin alles, um David und Kevin ihre angeblichen Hirngespinste auszureden. Aber warum hält sie die beiden dann in Hochsicherheitszellen gefangen, die ihre Superkräfte neutralisieren? Ihre Fähigkeiten sind doch nur eingebildet.

 

Let's Twist Again

Es wäre kein Film von M. Night Shyamalan, wenn da nicht noch ein Twist kommen würde. The Sixth Sense (1999). Unbreakable (2000). Signs (2002). The Village (2004). The Visit (2015). Und zuletzt bei Split (2016). Wäre Shyamalan ein Superheld würde er wohl "Mr. Twist" heißen. Die Erwartungen an seine Filme sind dementsprechend hoch. Bei "Glass" ist es wenig überraschend, dass die eingebildeten Superkräfte tatsächlich existieren. Daher musste offenbar noch ein überraschender Schwenk her. Und genau dieser beinahe krampfhafte Versuch seinem Ruf gerecht zu werden statt die Geschichte glaubwürdig abzuschließen, ist der größte Makel von Shyamalans neuem Film. Gegen Ende werden die Ereignisse immer unglaubwürdiger. Es fehlt der "Aha"-Effekt, der rückblickend plötzlich alles viel klarer erscheinen lässt. Hier ist es eher ein "Naja"-Effekt. Der Twist wirkt letztendlich aufgesetzt.

 

"Glass" bildet den Abschluss einer lose zusammenhängenden Trilogie von M. Night Shyamalan, deren ersten beiden Teile die Filme "Unbreakable" und "Split" sind.