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© The Walt Disney Company

Filmkritiken
03/23/2022

"Ice Age – Die Abenteuer von Buck Wild": Öde Rückkehr zur Dino-Welt

Das neue Abenteuer der Urzeit-Tiere zeigt, wie Opossums erwachsen werden, erreicht aber nicht alte "Ice Age"-Größe.

von Franco Schedl

Willkommen zurück: Wir sind wieder in der animierten Urzeitwelt mit unseren liebsten tierischen Eiszeit-HeldInnen vereint. Aber der Zeichenstil scheint sich deutlich geändert zu haben.

Moment, das klärt sich gleich auf: Zu Beginn gibt uns Mammut-Weibchen Ellie nämlich im Stil von Höhlenmalereien einen kurzen Rückblick darauf, was bisher geschah, damit selbst all jene mitkommen, die unerwarteterweise noch nie etwas von "Ice Age" gesehen oder gehört haben.

Wer tatsächlich erst bei diesem Film in die "Ice Age"-Welt einsteigen sollte, wird allerdings schwer enttäuscht sein.

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Crash und Eddie landen wieder bei den Dinos

Die beiden Opossum-Brüder Crash und Eddie sind noch immer echte Rabauken und ertragen die angebliche Bevormundung durch ihre große Mammut-Schwester Ellie nicht mehr länger. Daher stehlen sie sich eines Nachts heimlich davon, um endlich ein Leben in völliger Unabhängigkeit führen zu können.

Doch schon bald brechen sie durchs Eis und landen in einer unterirdischen Höhle, von wo sie erneut jene wohlverborgene Dinosaurier-Welt im Erdinneren betreten, die ihnen – ebenso wie uns – bereits aus "Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los"  vertraut ist. Und dort treffen sie sofort auf den legendären Buck Wild, der sie in perfektem britischen Englisch anspricht, was kein Wunder ist, da seine Original-Stimme wieder Simon Pegg gehört.

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Machtwahn einen Riesenhirns

Der wieselflinke Typ mit der blättrigen Augenklappe ist ein Draufgänger geblieben und schreckt vor keinem Abenteuer zurück – einmal wird er sogar zum Zahnarzt für einen T-Rex.

Aber die eigentliche Herausforderung wartet noch auf ihn: Orson, ein Dinosaurier mit Riesenhirn, ist von seinem Verbannungsort auf einer Lavainsel zurückgekehrt und da er sich durch seine Gehirnmasse allen anderen überlegen fühlt, will er die Macht an sich reißen.

Er glaubt fest daran, dass die Starken über die Schwachen herrschen müssen und nach der Parole "Lost world for lost species" sollen alle Nicht-Dinos als angebliche Eindringlinge vertrieben werden.
 

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Hilfe durch Zorilla-Dame

Dabei wäre gerade in dieser vergessenen Welt das friedliche Zusammenleben der Arten ein wünschenswertes Ziel, doch als Großkopf Orson mit seiner neuen Dino-Armee angreift, scheint die harmonische Koexistenz weiter denn je entfernt zu sein. 

Da kommt Bucks weibliche Version in Gestalt der Zorilla-Dame Zee gerade richtig, um ein passendes Buck-Up zu bieten. Auch Crash und Eddie entdecken ihre innere Stärke, und zeitgerecht zum großen Entscheidungskampf werden zudem alle alten Freunde von der Oberwelt eintreffen, damit ein rettender Feuer-Zauber entfacht werden kann.

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Probleme bei Patchwork-Familien

Zu früh sollte man sich aber auch nicht freuen, denn Manni, Diego, Sid und Ellie sind diesmal bloß Hintergrundfiguren, und jeder von ihnen hat höchstens ein Dutzend Sätze zu sprechen. Stattdessen werden pausenlos verschiedene Familien-Szenarios durchgespielt und das Ganze wirkt dadurch streckenweise wie ein Lehrfilm zur Bewältigung von Problemen bei Patchwork-Familien, der ins Schulprogramm von Unterstufen aufgenommen werden könnte.  

Zuletzt erhalten wir noch die Botschaft verkündet, wie wichtig es doch sei, sich im Erwachsen-Werden von der eigenen Verwandtschaft abzunabeln. Das löst dann höchstes einen "Ja, eh"-Moment aus und wirkt in der Darbietungsweise viel zu aufgesetzt und allzu belehrend.

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Resteverwertung und Routine

Der Film verlässt sich außerdem zu stark auf frühere Ereignisse und bedient sich bei etlichen altvertrauten Motiven. Natürlich darf bei einer Franchise-Reihe ohne weiteres auf Zurückliegendes angespielt werden, aber es sollte auf keinen Fall der Eindruck einer reinen Resteverwertung entstehen – und hier tritt genau dieser Fall ein.

Mit liebevoll ausgeführten Details, wie etwa einem Dino-Skelettschädel, der als Schiff dient oder die Inneneinrichtung von Bucks Bleibe erreicht das Werk zwischendurch dann kurz wieder alte "Ice Age"-Stärke. Doch der Gesamteindruck bleibt leider vorherrschend, gerade ein allzu routiniert und einfallslos heruntererzähltes Eiszeit-Abenteuer miterlebt zu haben, bei dem der gewohnte Humor nur in Spurenelementen vorhanden ist.

Es hat – auch abgesehen von Corona-Zeiten – schon seinen Grund, weshalb der Film gleich direkt auf Disney+ veröffentlicht wird. Vielleicht haben die MacherInnen selbst empfunden, dass er für einen Kinofilm einfach zu wenig Substanz aufweist, denn eigentlich hätte das Abenteuer mit Buck Wild eher Stoff für einen höchstens halbstündigen Kurzfilm geboten.

2 von 5 Schlafpulver-Attacken.

"Ice Age – Die Abenteuer von Buck Wild" ist ab 25. März auf Disney+ verfügbar.

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